M53 vs. M501 PDF E-Mail

M501 vs. M53


Besonders gut an unterschiedlichen Schwalben ist zu beobachten,
dass generell zwei Zweitakt-Ottomotoren im Suhler
"VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann" verbaut wurden.
Die erste Baureihe der Schwalbe, bezeichnet als KR51/1, wurde von
1964 an gebaut und erst 1980 durch den Kleinroller 51/2 abgelöst.
Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal sind die verschiedenen Triebwerke:

Im alten wurde recht kurz der M53,
ab 1968 dann der geringfügig veränderte M53/1 eingesetzt,
ein gebläsegekühlter Dreigangmotor,

während der KR51/2 mit dem M501 ausgestattet wurde.
Zunächst als Motor mit drei Gängen, später als Viergangmotor eingesetzt,
wurde bei dieser Motorenbaureihe die Fahrtwindkühlung eingesetzt.
In den Modellen wie dem Sperber, Star und Habicht wurde der M53/1
in leichten Variationen eingesetzt, während S51- und
SR50-Fahrer sich an dem M501 erfreuen dürfen.

Beim Kauf eines der Suhler Kleinkrafträder kommt nun
oft die Frage auf, welcher Motor welche Vorteile besitzt.

Diese sollen hier nun dargestellt werden.

Der M53 und sein Nachfolger M53/1 holt als sogenannter
"quadrathubiger Motor", kurz Quadrathuber, seine Leistung
aus höheren Drehzahlen. Quadrathuber heißt konkret, dass der
Kolbenhub in etwa dem Kolbendurchmesser entspricht. Sein
Kolbenhub liegt bei 39,5mm, genau wie der Durchmesser des Kolbens.

Dem gegenüber steht der M501, der als "langhubiger Motor"
bezeichnet wird, da der Kolbenhub von 44mm größer ist als
der Kolbendurchmesser (37,97 mm).

Der höhere Hub, also ein größerer "Hebelweg", wirkt sich positiv
auf das Drehmoment aus. So erreicht der M501 schon bei 4800 U/min 5,0 Nm.
Der M53 hingegen erreicht sein maximales Drehmoment von 4,7 Nm erst bei 5000 U/Min


Die Höchstleistung erreicht der M501 bei 5500 U/min von 3,7 PS (2,72 kW),
während der M53/1 bei 5750 U/min "nur" 3,6 PS (2,65kW) Leistung bringt.

Durch die Motoraufhängung am Zylinderkopf bedingt, sind beim M53 generell
höhere Vibrationen zu spüren. Die Vibrationen wirken sich hier nur lästig
auf den Fahrer aus (degenerative Gelenkveränderungen lassen grüßen Wink).


Beim KR51/2 (mit dem M501) wurden die Aufhängungen verstärkt, um die noch stärkeren
Hebelkräfte durch die Motorvibration Herr zu werden und ein Einreißen der Motorhalterung
zu verhindern denn hier wurde der Motor nur noch am Getriebe befestigt.

Die S51 hat eine elastische Aufhängung und somit Vibrationsarmut mit einer stabilen
Motoraufhängung verbunden.

Der M53/1 des KR51/1 ist zwangsgekühlt (gebläsegekühlt), was einen entscheidenen Vorteil
mit sich bringt. Die "Kühlung" durch ein Radialgebläse bzw. die damit verbundene konstante
Motortemperatur ist weitestgehend unabhängig von Witterungseinflüssen, wodurch eine
Überhitzung unmöglich wird. Auch wenn Schäden dadurch nicht beobachtet wurden, wäre
so etwas naheliegender bei einem mit einem fahrtwindgekühlten M501 ausgestatteten Modell.
Zumindest sind höhere Verschleißerscheinungen des M501 in Situationen längeren Standes
bei laufendem Motor zu erwarten.

Die Zwangskühlung, damit verbunden ein Lüfterrad und Luftführungsbleche, frisst
letztlich dennoch ein wenig Leistung.

Praxiserfahrungen nach zu urteilen arbeitet der M501 ein wenig sparsamer.
Dies ist zum einen durch die veränderten Hub-/Bohrungsverhältnisse und damit
niedrigeren Drehzahlen bedingt, zum anderen vor allem durch den beim M541
eingesetzten dritten Gang, der einen Zwischengang zwischen dem zweiten und
vierten Gang darstellt. KR51/1-Fahrer, ausgestattet mit dem M53/1 und drei Gängen,
müssen den 2. Gang deutlich höher ziehen, um zügig voranzukommen.
Die vier Gänge des am zahlreichsten der M501-Baureihe gebauten M541 wirken sich auch
besonders bei bergigen Fahrten positiv aus.

Was ist sonst noch anders? Die gerade genannten Unterschiede sind wohl die ausschlaggebenden.

Das Ziehkeilgetriebe des M501 ist mit kürzeren Schaltwegen ein wenig präziser als die
Klauenschaltung der M53-Baureihe. Der M53 ist dagegen deutlich robuster gebaut. Das
längere Kolbenhemd ist nur ein Beispiel hierfür. Höhere Laufzeiten erreicht
deswegen fast immer der M53.

Das Wechseln der Simmerringe kann bei der M53-Baureihe nur durch Spalten erreicht werden,
während man diese beim M501 recht problemlos "von außen", d.h. lediglich nach dem Abmontieren
der Seitendeckel, erreichen kann. Selbiges gilt für die Kickstarterwelle,
die bei Simson-Motoren recht leicht abnutzen kann.

Zu guter Letzt:
Welcher Motor ist denn jetzt besser? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten.
Fakt ist, dass der M501 in Bezug auf Leistung und Modernität dem M53/1 ein wenig voran steht,
vor allem aber verschleißtechnisch Defizite hinnehmen muss.

Sofern die Motoren regelmäßig gewartet, ordentlich gepflegt und gereinigt werden,
kann man sich an beiden Baureihen erfreuen, so oder so.

Danke an shadowrun, domdey und Dummschwaetzer und all die anderen
Von Fabian Wiens, 10.01. 2007

 
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