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Thema: Zum Moerser Motorradmuseum. Ein Bericht von Schwalbe


  1. #1
    Zündkerzenwechsler Avatar von SchwalbenKalle
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    29

    Standard Zum Moerser Motorradmuseum. Ein Bericht von Schwalbe

    Hallo zusammen,

    mein Fahrer, und Schwalbenflieger hat sich ja schon hier vorgestellt. Jetzt möchte ich das für mich nachholen, weil ich ja keinen eigenen Zugang im Schwalbennest habe, und wohl auch keinen bekommen kann, wie der Kalle zu mir sagt.

    Geboren wurde ich ihn Suhl, das ja schon einige von euch kennen. Nach kurzer Zeit kam ich nach Magdeburg, das war so im Jahr 1980, und musste lange Jahre meinen Fahrer jeden Morgen zur Arbeit fahren. Das war aber so was von Anstrengend, bei Wind und Wetter, ob Sommer oder Winter war dem Willi völlig egal. Er musste halt zur Arbeit.

    Irgendwann wurde ich in einem Schuppen abgestellt, und durfte nicht mehr ans Tagelicht. Nicht nur das es dort dunkel war, auch das Dach war nicht dicht, so das mein Blechkleid langsam rostig wurde. Die Luft aus meinenReifen war schon lange raus.

    Ich fühlte mich hundeelend.

    Es dauerte viele Jahre bis das Tor zum Schuppen aufging, und mich eine älterer Herr begutachtet. Erst wusste ich damit ja nichts anzufangen. Er begutachtete meinen Motor, sah mir unters Blechkleid, prüfte hier, drückte dort. Aber wie sah ich denn aus, total verstaubt und vergammelt.

    Ich schämte mich so.

    Aber immerhin nahm mich der ältere Herr in einem Transporter mit zu sich nach Hause. Ich kam in eine luftige Garage mit einem Fenster und einem großen Tor. Ganz schnell hat der Horst mein Blechkleid abgeschraubt, was mir doch ziemlich peinlich war, so nackig in der Garage zu stehen. Ich war dort nämlich nicht alleine, es stand noch Max mit darin.
    Max hieß mit Nachnahmen NSU, und sah wirklich schnuckelig aus. Sein Blech war in ganz tollen Farben lackiert und er lief wie eine Nähmaschine so sanft. Ich war ein klein wenig verliebt. Er erzählte mir das der Horst ihn erst wieder so hübsch gemacht hätte, nachdem er, wie ich, jahrelang in einem Schuppen verbracht hat.

    Viele Teile an mir hat der Horst neu gemacht, oder wieder in Ordnung gebracht. Auch mein Blechkleid hat er wieder in frischem Glanz angeschraubt, zwar nicht in der Farbe von frührer, aber in einem wunderschönen dunklen Blau. Mein Motor lief wieder, obwohl er nur das Öl gewechselt hatte.

    Kann es einer Schwalbe besser gehen?

    Aber wohl viel Licht, da ist auch Schatten. Horst wurde Krank. Nachdem er aus dem Krankenhaus kam sagte seine Frau und die Tochter, er dürfe kein Moped mehr fahren, und solle uns beide Verkaufen.
    Max war zuerst weg. Wieder stand ich alleine in einer Garage, wenn auch diesmal mit Fenster, wodurch ich die Asiatischen Plastikroller anhören musste wie sie auf der Straße rumdüsten, obwohl ich doch viel schöner bin.
    Es kommt wie es kommen musste, das Tor geht wieder auf, und es steht so ein grauer Lockenkopf vor mir, und begutachtet mich wieder. Dabei strahlt über beide Wangen. Was mir jetzt nicht so gut gefiel, das mich auf einen zügigen Anhänger schnallt, und von Siegen nach Mönchengladbach fährt. Und das im November. Da soll ich keine Gänsehaut bekommen, ich bin eine Schwalbe, und an Wärme gewöhnt.
    Wieder endet die Fahrt in einer Garage, leider ohne Fenster. Aber immerhin mit einer Nachbarin, die Suzie heißt. Allerdings ist ihr deutsch mit einem japanischem Dialekt verfremdet.

    Eigentlich habe ich gedacht, das ich nun langsam meinen Ruhestand verdient habe, aber was will der Kalle von mir.
    Ich soll Touren mit ihm unternehmen? Von Pontius nach Pilatus fahren? Ja, ist der verrückt!

    Ich bin im Rentenalter!

    Obwohl ich beim Horst immer schön gelaufen bin lass ich auf der ersten Probefahrt von Kalle meine Schwimmernadel mal so ein bisschen festsitzen. Schwitzend schiebt er mich wieder in die Garage.
    Dann geht er doch kurzerhand hin, und baut mir einen neuen Vergaser ein. Kann aber den Leerlauf nicht vernünftig einstellen, der doof.
    Trotzdem unternimmt er seine erste Ausfahrt mit mir. Zum Feuerwehrmuseum nach Erkelenz. Obwohl, so richtig will ich nicht, weil ich einfach keinen Zündfunken springen lassen will. Erst nach vielen Kicks habe ich dann doch Mitleid mit ihm, und wir fahren los. Kommen auch wieder zu Hause an.
    Ja gut , so doof ist er auch wieder nicht. Er fährt nämlich nach Neuss zum Swen, der mit seinen zärtlichen Finger meinen Vergaser einstellt, und meine hellen Blinker lobt.

    So was braucht Schwalbe.

    Ein muss ich dem Kalle ja lassen: Hartnäckig ist er ja. Trotz des hin und wieder Verweigern des Zündfunken will mit mir weiterfahren. Was ich aber gar nicht leiden kann, wenn er versucht mich anzukicken, sein Schweiß an der Nasenspitze sammelt (was sehr lustig aussieht), er mich dann Diva nennt. Wie er das denn ausspricht.

    Diiiivaa.

    Immerhin lasse ich mich noch herab mit ihm nach Witten zu fahren, was ihm sichtlich Spaß macht. Allerdings danach will ich nicht mehr. Zwar bringe ich ihn noch gut nach Hause, kann ihn ja nicht einfach irgendwo stehen lassen, der findet ja nie nach Hause. Aber danach ist Schluss, es gibt keinen Funken mehr.
    Dann geschehen mehrer Dinge.
    Erstens spricht Suzie zu mir: „Was willst Du denn eigentlich, jetzt unternimmt schon jemand was mit Dir, dann ist es auch nicht gut.“
    Zweitens, GPS unser Begleiter auf den Touren meint: Das ich doch froh sein soll wenn sich jemand um mich kümmert, und ich in meinem Alter nicht in der Presse lande.
    Wenn ich so recht überlege hat der Kalle ja schon einige Sachen unternommen damit es mir gut geht, und ich laufen kann. Also gut, ich gebe ihm noch eine Chance, wenn er es fertig bringt meinen Zündfunken zu beleben werde ich ohne Mucken die nächsten Touren mit ihm unternehmen. Außerdem habe ich einen Vorteil gegenüber Suzie. Sie muss immer raus, ich nur bei Sonnenschein. Bei Schwalbenwetter wie Kalle sagt.
    Ja, dann kommt er in die Garage, baut mir neue Lampen ein, eine neue Hupe (obwohl ich finde den klang der alten schöner) und vor allem eine neue Zündanlage. 12 Volt wie er meint. Das muss wohl was besonderes sein, weil ich fühle mich wie neu geboren. Ich springe an wie in jungen Jahren, und total happy.

    Schwalbe im dritten Frühling.

    So, jetzt kommt endlich mein Bericht von der Tour zum Niederrheinischen Motorradmuseum in Moers. Ich hoffe die Einleitung für diesen Tourbericht war nicht zu lang, aber wann hat ein Roller mal die Gelegenheit sich so die Buchstaben vom Zylinder zu schreiben...
    Morgens um 10:00 Uhr geht es los, Kalle kommt in die Garage, schiebt mich raus in die Sonne und ich springe vor Freude beim zweiten Kick an. GPS ist bei der Fahrt auch dabei und hat mir schon geflüstert wo es lang geht. Wir wollen durch den Niederrhein nach Moers zum Niederrheinischen Motorradmuseum.

    Mein Kumpel GPS zeigt uns den Weg durch wunderschöne Alleen.

    [img]http://www.arcor.de/palb/album_popup_big.jsp?albumID=3733049&pos=25&interva l=0&width=1920/img]

    Einen kurzen Zwischenstopp machen wir in Wachtendonk, mit seiner schönen Altstadt. Aber kurze Zeit später darf ich meine lustigen blauen Wölkchen aus dem Auspuff kräuseln lassen.

    [img]http://www.arcor.de/palb/album_popup_big.jsp?albumID=3733049&pos=26&interva l=0&width=1920/img]


    Dann sind wir am Motorradmuseum. Kalle geht alleine rein, und macht ein paar Photos. Später erzählt er mir was dort alles zu sehen ist.

    Zum Beispiel dieses Neandergespann von 1929, die in Mettmann hergestellt wurden. Nach einem Aufkleber auf dem Schutzblech hat die Maschine 1975 noch an einem Veteranen Treffen mitgemacht.



    Machten nicht nur Waschmaschinen, die Firma Miele.



    Sieht ja ähnlich aus wie ich, der DKW Hobby aus den 50er Jahren.



    Das ist eine Rechnung über ein „D“-Motorrad vom 2. Oktober 1958. Der verstorbene Gründer des Museum Heinr. Schuth hat es für 1514 RM gekauft. Man beachte die 7 RM Aufpreis für eine Ballhupe. Selbst ich habe schon eine elektrische Hupe serienmäßig.




    Und das ist das Motorrad dazu.

    [imghttp://www.arcor.de/palb/album_popup_big.jsp?albumID=3733049&pos=31&interva l=0&width=1920[/img]

    Eine seltene Herkules mit Wankelmotor aus den 70er Jahren.



    Und natürlich meine Brüder und Schwestern.



    Ich warte vor dem Museum auf Kalle, um ihn noch zum Binnenschifffahrtsmuseum nach Duisburg zu bringen. Auf dem ersten Kick springe ich an, und freue mich das es weiter geht.



    Das Museum ist in einem ehemaligen Schwimmbad beheimatet, und im Becken hat man ein Segelboot, ein sogenannter Flachkieler aufgebaut.



    Taucher dargestellt im Becken. Eine „Unterwasseraufnahme“ von Kalle.



    GPS bringt uns dann wieder auf kleinen Straßen nach Hause.



    Technische Daten:
    Gefahrene Strecke: 137 Km
    Reine Fahrzeit: 3:06
    Fahrzeug: Ich, eine Kr51/2 L Bj. 1980
    GPS, mein Kumpel: Garmin GPS 72 (ohne Kartendarstellung)
    Nav. Programm: TTQV 4
    Links:
    Niederrheinisches Motorradmuseum
    Binnenschifffahrtmuseum

    Die Karten:





    Hoffentlich hat euch mein Bericht gefallen.
    Tschö sagt Schwalbe und Kalle


  2. #2
    Zündkerzenwechsler
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    sehr cool!!

    vor allem wenn man wie du, die geschichte seines Vogels kennt

    aber was ist denn das dkw hobby?? das design mmmhh....dann ist ja der bruder von der schwalbe aus dem imperalistischen ausland. ohohoh

    gruß die resistance

  3. #3
    Zahnradstoßer Avatar von Elion
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    Sehr schöner Bericht :)

    Hat echt Spaß gemacht zu lesen, besonders das mit der Vorgeschichte ist cool, dürfte man erfahren woher du das alles so genau weißt oder einfach frei erfunden?

  4. #4
    Tankentroster
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    Hallo Kalle,

    toller Bericht von Dir, echt locker und humorvoll geschrieben, kann man gut in einem Zug weglesen!

    Auch die Bilder aus dem Museum finde ich sehr interessant, alles in allem also eine gute Fahrt!

    Gruß

    Gofter

  5. #5
    Flugschüler Avatar von Fabimoped
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    Wirklich ein schöner Bericht, der Freude bereitet!

  6. #6
    Zündkerzenwechsler Avatar von SchwalbenKalle
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    Erst mal vielen Dank für das Lob.

    Im Prinzip stimmt die Geschichte so, zumindest hat Horst, von dem ich die Schwalbe ja gekauft habe, so erzählt. Habe auch Bilder vor der Restaurierung, und von der NSU Max gesehen die er Restauriert hat.
    Denke also schon, das es so gewesen sein könnte.


    Nochmals Danke sagt
    der Kalle und Schwalbe :)

  7. #7
    Museumsdirektor Avatar von moeffi
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    tsss, da gurkst du quasi an meiner haustür vorbei und sagst nix...
    hat du kontakt zu schagzeucher? der ist auch aus mg
    ..shift happens

  8. #8
    Tankentroster
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    Jau, genau das würde mich auch interessieren. Wer so coole Storys schreibt, den würde ich doch gern auch mal persönlich kennenlernen. Mit Nick (Schlagzeucher) hab ich gestern noch telefoniert. Wäre doch mal schön sich gegenüberzustehen.
    Hab selber auch mal in MG gewohnt....jetzt hat die Liebe mich nach Stolberg bei Aachen verschlagen.

    Laß mal wieder was von Dir hören - sowas liest man immer gern.

    Viele Grüße
    Micha

  9. #9
    Zündkerzenwechsler Avatar von SchwalbenKalle
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    Hallo Möffi,
    Hallo Micha,

    im Augenblick kenn ich noch niemanden, (außer den Sven aus Neuss, der den Vergaser eingestellt hatr) bin ja auch noch recht neu in der Szene.
    Das Problem bei mir ist, das ich am Samstag eigentlich immer bis Mittags Arbeiten muss, und mich dann geistig (auf dem Kopfkissen) und körperlich (Dusche) aufs Samstägliche Tanzen vorbereite.
    Sonntags ist dann ab 17:30 Tanztraining, so das eine Ausfahrt immer früh von mir beendet werden muss.
    Was jetzt aber nicht heißt das ich garnicht mitfahre, kommt bestimmt noch die Gelegenheit.

    Die nächste Story dauert noch etwas, weil ich erst mal wieder fahren muss. War zwei Wochen mit der gro0en (750er Suzie) in Italien.
    Da kann man mal sehen wie sich das Karusell dreht. Wohnte früher in Neuss, und bin der Liebe wegen nach MG gezogen.

    Viele Grüß
    der Kalle

  10. #10
    Tankentroster
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    Standard

    Na siehste - dann haben wir doch einen gemeinsamen Bekannten. Sven kenne ich auch
    Und zum Thema Neuling: Bin ich auch einer. Habe aber festgestellt, daß man hier ganz schnell Kontakte knüpfen kann.
    Also sag ich einfach mal "bis demnächst irgendwann mal - man sieht sich bestimmt"

    Viele Grüße
    Micha

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