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Thema: Reisebericht-Simsonauten im Baltikum, Russland und Finnland


  1. #1
    Schwarzfahrer
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    Standard Reisebericht-Simsonauten im Baltikum, Russland und Finnland

    Es war mal wieder soweit. Wir vier, die hier im Forum als Simsonauten firmieren, sind wieder einmal losgefahren. Sibbe, Tommy, Sören und Josip. Alle über 40, durchschnittlich je 2 Kinder und alle auf der Suche nach dem einfachen Abenteuer! Wir drei Ur-Simsonauten kennen uns aus der Schule vor 25 Jahren. Josip ist hier irgendwie in die Nachbarschaft gezogen und hat sich bei "800 km durch MacPomm" für Höheres qualifiziert. Vom Rookie zum Simsonauten quasi...
    Letzte Woche, wir hatten es ja angekündigt, sind wir dann mit unseren vier S51-Mopeds losgefahren. Anbei ein paar erste Eindrücke, wobei Sibbe sicherlich wieder Bewegtbilder nachliefern wird. Hier schon einmal der Link zum Trailer auf Youtube:
    http://www.youtube.com/watch?v=a3-PV...ature=youtu.be




    Tag 1 – Hamburg-Kiel:
    Donnerstag, 11.00 Uhr, Abfahrt vor der Stadtbäckerei in Hamburg-Blankenese, von wo wir immer losfahren. Das hat schon bald Tradition. Es galt gegen 17:00 Uhr eine Fähre in Kiel zu bekommen. Dazwischen liegen 120 km schönster Schleswig-Holsteiner Landstraßen. Wer immer mal durch SH fahren sollte, sei beraten die Autobahnen zu meiden, und dieses wirklich schöne Land auf seinen verschlungenen Pfaden zu erforschen. Schon nach ein paar km gab es den ersten kapitalen Schaden: Meine Tachobeleuchtung fällt aus. Das ganze Projekt stand von jetzt auf gleich auf der Kippe. Jeder andere wäre umgedreht! Aber ein Simsonaut scheut kein Ungemach, und so ging es dann auch unerschrocken weiter. Nach drei Stunden sind wir in Kiel vorgefahren. Dort haben wir die Seehundstation am Westufer besucht und anschließend in einem Restaurant gegessen. Danach ging Tommys Möhre auf der Fahrt zum Fährterminal aus. Manch tourenfahrender Simsonfreund kennt das Phänomen: Wenn der Tankrucksack zu sehr auf dem Tankdeckel drückt, dann verschließt er das Lüftungs-Loch. Es entsteht im Tank ein Vakuum, welches es zu beheben gilt, weil es den Benzinabfluss in den Vergaser stoppt. Die Fähre nach Klaipeda im Baltikum ist eine echte Truckerfähre, aber unerwartet sauber und leider auch alternativlos.
    Vor der Fähre:


    Tag 2 – Ankunft in Klaipeda:
    Freitag um 18:00 lief unsere Trucker- und Simsonfähre in Klaipeda, dem früheren Memel, ein. Wir kannten den Hafen am Kurischen Haff schon, war er doch unser Transithafen 2011 vom Baltikum nach Schweden. Wir wussten deshalb auch, dass wir nicht in Klaipeda bleiben wollten. Deshalb haben wir Kurs auf den Nationalpark Žemaitija genommen, im Nordwesten Litauens, in der Region Niederlitauen. Er nimmt eine Fläche von 21.720 ha mit seenreichem Hügelland ein. Unter Schutz stehen 26 Seen, Kleingewässer und Flüsse, Moore und Auen. Die 75 km vom Hafen zum Nationalpark hatten alles, was man sich wünschen kann. Autobahn-Abschnitte, kleine Landstraßen – und die ersten paar Kilometer Schotterpiste. So haben wir noch am ersten Abend unser kleines Schotter-Seepferdchen gemacht. Der Schotter-Freischwimmer würde folgen... Der Campingplatz war entsprechend fast romantisch, wenn auch nicht unbesucht. Camping kostete keine 2 EUR pro Mann&Nacht. Auf die Frage nach einer Dusche wurde auf den See verwiesen. Auf die Frage nach einer Toilette wurde dann in die andere Richtung auf den Wald gezeigt. In einem Restaurant am See gab es Bier, was will man mehr...
    Der Campingplatz:

    Der See:


    Tag 3 – Vom Litauischen Nationalpark in die Lettische Hauptstadt Riga:
    Die Tour vom Campingplatz zur Lettischen Grenze war sehr schön. Das ganze Baltikum ist voller Störche. Man könnte meinen Baltikum übersetzt sich mit "Land der Störche". Nach einer Weile erreichten wir die Grenze mit zwei schönen Grenzsteinen und einem verwunschenem Grenzflüsschen. Wie bei jedem Grenzstein gibt es eine Fotosession.


    Danach passierte das, was uns schon 2011 in Lettland passiert ist: Die Straßen in Lettland sind schlecht und nicht immer aus Asphalt. Bereits nach 2 km ging die erste Schotterpiste los. 23 Kilometer! Zuerst haben wir es vorsichtig mit 30 km/h probiert. Mit 40 km/h geht es aber besser. Sobald der Vorderreifen merkt, warum er gerade wegrutschen will, ist man mit 40 Sachen nämlich schon wieder auf sicherem Grund. Und wenn man dann noch das Gewicht nach vorne verlagert, dann tänzelt fast nur noch der Hinterreifen. Nachdem wir somit unseren Schotter-Freischwimmer auch gemacht haben, waren wir froh über ein paar Meter feste Straße. Das Vergnügen weilte allerdings nicht lange – und schon ging es auf die nächste Schotterpiste, diesmal dann 27 km. Das ist echte Arbeit am Lenker, und es bleibt wenig Energie für die Schönheit der Natur.

    Am Ende der Schotterpiste treffen wir den ersten Weltenbummler. Ein Tasmanier, der mit dem Fahrrad aus Deutschland zum Nordkap gefahren ist und dann durch Finnland wieder runterkam. Nun war er in Lettland auf dem Weg nach Süden. Man tauschte ein paar Worte und er danke für unsere Hinweise zur Gravelroad.
    Das Tagesende brachte uns nach Riga. Riga (lettisch Rīga) ist die Hauptstadt Lettlands und mit 699.203 Einwohnern größte Stadt des Baltikums. Mit über 1.081.100 Einwohnern in der Agglomeration ist Riga zudem der größte Ballungsraum in den drei baltischen Staaten. Riga ist politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes. Die alte Hansestadt ist berühmt für ihre Jugendstilbauten und ihre großzügige Anlage sowie für die gut erhaltene Innenstadt, darunter besonders die Altstadt in der wer essen waren. Berühmt ist Riga aber auch für seinen Hafen, in dem gerade ein Großsegler-Treffen stattfand. Für uns Hamburger Jungs wie Hafengeburtstag. Remmi-Demmi bis spät in die Nacht, mit Feuerwerk und allem Schickimuck!

    City-Camping in Riga ist zwar auf der anderen Seite des Flusses, aber dennoch nah zum Zentrum. Einmal über die Brücke, notfalls auch zu Fuss. Der Campingplatz hat alles was man braucht. City-Campingplätze sind selten wirklich schön, aber sie sind immer ein tolles Sammelsurium an Weltenbummlern.

    Tag 4 – Von Riga Richtung Nord-Osten nach Estland:
    Die Ausfallstraßen aus Riga raus sind in üblem Zustand. Manchmal sind wir einfach über den Bürgersteig gefahren, der war wenigsten asphaltiert. Diese rotten Straßen führten uns zunächst zur Grenze zwischen Lettland und Estland, manifestiert durch ein einfaches Straßenschild:

    Als Ziel des Tages hatten wir uns nach etwa 200 km den Võrtsjärve-See ausgesucht, den größten Binnensee Estlands. Hier galt es einen Campingplatz zu finden, der nirgends zu finden war. Am Ende landeten wir auf einer einsamen Sportanlage direkt an einem See-Arm, wo wir für 45 Cent pro Mann&Nacht zelten konnten. So richtig mit Lagerfeuer und Baden im See. Und mangels Gastro-Angebot mit Chips und Bier von der Tankstelle.



    Tag 5 – Vom schönen See nach Narva an der russischen Grenze:
    Der nächste Tag führte uns zunächst nach Tartu, in der Mitte Estlands. Es ist die zweitgrößte Stadt, mit berühmter Universität und berühmt für gutes Frühstück. Selbiges war auch der Grund unseres Anhaltens. Danach ging es weiter zum Peipussee. Der Peipussee (estnisch Peipsi-Pihkva järv; russisch Псковско-Чудское озеро) ist ein zwischen Estland und Russland gelegenes Binnengewässer. Mit 3555 km² ist er ungefähr siebenmal so groß wie der Bodensee und steht unter den größten Seen Europas an fünfter Stelle. Laut der estischen Frau eines Freundes ist der See DIE Urlaubsdestination der estischen Upper Class. Da konnten wir natürlich auf keinen Fall fehlen!

    Weiter ging es danach Richtung russischer Grenze nach Narva. Hier geht der estische Bevölkerungsanteil auf 10% runter und der sowjetrussische Einschlag setzt sich voll durch. Das gilt für Fassaden aller Art, egal ob Haus oder Mensch. Unsere Camping-Möglichkeit 6 km vor der Stadt in Laarga war ein eigentlich schönes Sanatorium mit See, allerdings hatte es schon Sanierungsstau, noch bevor es final fertiggestellt wurde. Da schwillt einem schon gehörig der Kamm auf die Sowjets – allerdings ... ohne die gäbe es indirekt ja auch gar keine Simsonmopeds, und somit keine Reise. Abends treffen wir in Narva (welches bis auf die Hermanns-Festung übrigens hässlich wie die Nacht ist) auf Claus aus Rostock. Claus kam gerade mit einer Super-Tenere aus Murmansk runter und ist ein guter Typ. War ein netter Abend mit Ihm!

    In Narva steht übrigens die letzte verbliebene Lenin-Statue des ganzen Baltikums. Sie steht an der Grenze und zeigt nach Osten. Wahrscheinlich hat Ihn keiner mehr rüber gelassen, und so muss er nun im Westen bleiben. Vielleicht bringt ihm im Westen mal jemand bei, dass Fassaden (egal ob Haus oder Mensch) nicht zu verkommen haben – und wie Wirtschaft funktioniert.


    Tag 6 – Grenze Estland-Russland und St. Petersburg:
    Dies war nach unserer Simson-Königsberg-Reise 2011 unsere zweite Einreise nach Russland, und wir müssen zugeben (insbesondere ich), dass wir davor ein bisschen Bammel hatten. Ich hatte nämlich den Fehler gemacht vorher in Foren zu lesen, wie der Übertritt zu funktionieren hat, und welche gefühlt 100 Millionen Stempel, Papiere, Anlaufstellen, Versicherungen, Geldwechsel-Aktionen und Warteschlangen es zusätzlich zum obligatorischen Visum abzuarbeiten gilt. Vorweg: Macht dass nicht, lest hierzu keine Foren, überspringt deshalb auch den nun folgenden Absatz und fahrt einfach mal mit einer Stunde Zeit und Guter Laune im Gepäck zur Grenze – and that's it!
    Blick von der deutsch/dänsich/schwedisch/etsnischen Hermansfeste auf die russische Festung Iwangorod:

    Anfahrt zum Grenz-Posten:

    Auf der Brücke nach Russland:

    Zusammenfassend kann man sagen: Der Russe möchte ein Imigratiosform und ein Customsform ausgefüllt bekommen. Das eine geht zur Bude mit dem Pass-Beamten, der englisch spricht. Das andere geht zur Bude mit dem Zoll-Beamten, der deutsch spricht. Wartezeiten gibt es keine, da 2-Räder prioritiv bearbeitet werden und sich überall vordrängeln dürfen. Das paart sich mit der Erkenntnis, dass ein Simsonfahrer grundsätzlich immer unter dem Radar der russischen Abwehr durch segelt und so locker überall durch kommt. Außerdem kann ich als Viel-USA-Reisender berichten, dass der Russe im Gegensatz zum Ami an der Grenze freundlich guckt, keine Fingerabdrücke fordert und keine Bleispritze mit sich rumträgt. In Sachen Grenze (und Mr.Snowden) steht es im Supermacht-Vergleich klar 2:0 für Russland!

    Das mit dem Radar und den Simsons gilt leider auch für den russischen Kraftfahrer. Auf russischen Straßen (sofern man die überhaupt so bezeichnen kann) gilt der russische Kraftfahrer alles und der Simsonfahrer zählt nichts!! Die Fahrt war allgemein als gefährlich, angsteinflößend und unschön zu bewerten. Russen halten max. 15 cm Abstand – und ausweichen kann man wegen der Schlaglöcher nicht. Hier sollte das Auswärtige Amt auf dem Simsonforum ruhig mal eine Reisewarnung aussprechen. Zum Glück hatte ich vor Abfahrt eine Wartburg-Hupe in meine S51 verbaut, die zumindest ein bisschen half. Die Einfahrt nach St. Petersburg zog sich ob der Größe der Stadt mächtig in die Länge, und am Ende ist St. Petersburg zwar sehr schön, aber für eine Mischung aus Berlin und Wien muss ich nicht nach Russland fahren. Fairerweise muss man sagen, dass wir Simsonauten eh' keine großen Städte-Fans sind, weshalb hier jetzt auch keine St. Petersburg-Bilder folgen.

    Die Nacht verbrachten wir auf einem komplett runtergerockten sowjetischen Campingplatz. Überall Ruinen, welche ein gutes Zeugnis davon ablegen, wie Allgemein-Eigentum gepflegt wird, wenn vor lauter Allgemeinheit kein Platz für Allgemein-Sinn bleibt. Nämlich gar nicht! Ja, ja, das kannst Du mitschreiben, Herr Lenin!

    Ruinös!


    7 Tag: Von St.Petersburg nach Kotka in Süd-Finnland:

    Der neue Tag sollte einen neuen Grenzübertritt bringen. Zunächst lernten wir allerdings auf unserem vorbeschriebenen sowjetrussischen Campingplatz noch einen Australier kennen. Der hatte sein großes Kawasaki-Enduro von Australien nach Wladiwostok verschifft und hatte seit dem über 10.000 Km Russland unter seinen Reifen. Auch er wollte nach Finnland, allerdings weiter nach Norden. Anfang September würde er in England sein müssen. Der Weg aus St.Petersburg raus war genauso sparsam, wie der Weg hinein, allerdings zum Glück mit weniger Verkehr. Nach einiger Zeit erreichten wir Wyborg und nach vielleicht drei oder vier Stunden die Grenzstation:

    Auch hier lief alles zunächst verhältnismäßig smooth. Wir durften überall vorfahren und bekamen relativ zügig alle unsere Freigaben auf russischer Seite. Nur der Schlagbaum ging nicht hoch, aber da bisher alles so gut lief fuhren wir einfach daran vorbei. Nach einiger Zeit stellte sich jedoch heraus, daß wir nur noch zu dritt waren. Ich drehte deshalb um, um nach Tommy zu gucken, wurde allerdings von einem Grezner gestoppt, weil ich ja nun von Westen wieder in die russiche Grenzstation einzureisen gedachte. Einen Funkspruch später wurde mir vermittelt: "Get your two friends, and you all three go back to border control!". Ups, hatten wir was falsch gemacht? Upon return fanden wir Tommy in den Fängen eines böse guckenden Grenzers vor. Ein harsches "Passports and what's in your luggage" begrüßte uns. Es stellte sich heraus, daß eben jender Grenzer es maximal disrespektierlich fand, daß wir seinen Schlagbaum umfahren hatten. Tommy musste sich anhören "You stay here and call your friends back. You have a problem now". Super Plan, weil Tommy natürlich wusste, daß wir unsere Telefone gar nicht an hatten! Die Russen hatten Tommy einfach als Faustpfand einbehalten und wir bekamen einen zünftigen Arschvoll, wobei Widerworte kontraproduktiv gewesen wären.

    Hier trennt sich Gut und Böse:

    Einreise in die finnische Grenzstation:

    Die Einreise nach Finnland verlief ähnlich wie die Ausreise aus Russland. Dazwischen lagen etwa 5 KM Niemandsland. Wir wurden überall freundlich durchgewunken, bis wir zu einer Warteschlange an einer Schranke gelangten, wo wir uns wieder an allen vorbeischlängelten. Plötzlich von überall die Bullen mit Blaulicht und böser Miene: Wieder ein harsches "Passports and what's in your luggage" und wieder "Ups, hatten wir was falsch gemacht?" Ja hatten wir. Wir waren zwar sauber vom Zoll durchgewunken worden, nicht jedoch vom Pass-Beamten. Also drehten wir wieder um, und folgten dem Blaulicht-Auto mit den Kanonen-Männern zur Pass-Station. Endlich hatten wir es geschafft. Nach einer guten Stunde waren wir wieder in Schengen, welches uns mit einem ersten Regenschauer und einer kleinen Panne begrüßte. Josips Kupplung fing an durchzurutschen. Das Problem ließ sich allerdings halbwegs beheben, in dem wir die Kupplung unter der schwarzen Plastikverschlussschraube nachgezogen haben. Der Tag endete zur Belohnung auf einem 5-Sterne-Camping-Platz in den südfinnischen Schären, mit allem Schickimicki!


    +++SCHREIBPAUSE+++STOP+++ES+++GEHT+++ABER+++WEITER +++STOP+++
    Geändert von SiSoSö (09.08.2013 um 20:38 Uhr)

  2. #2
    Chefkonstrukteur Avatar von Harzer
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    Ihr seit Helden weiter so, macht echt Spaß das lesen euerer Berichte.

    Gruß
    Frank

  3. #3
    Museumsdirektor Avatar von moeffi
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    sehr cool.
    ..shift happens

  4. #4

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    Vielen Dank für die tollen Berichte. Meiner S51 traue ich solche Strecken noch nicht zu. Erstmal bei kürzeren Touren in der Umgebung auf alle möglichen Defekte und Probleme stoßen

  5. #5
    Schwarzfahrer
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    Tag 8 von Süd-Finnland nach Helsinki:

    Der neue Morgen begrüßte uns mit Regen und der Erkenntnis, daß Helsinki nur 70 Km entfernt war. Des weiteren fiel uns auf, daß wir immer noch keine richtige Panne mit Showstopper hatten, für die wir unseren Reservetag vorgesehen hatten. Was macht man aus der Kombination aus Regen und Reservetag? Kunstmuseum? Nein, bloß nicht! Lieber einen Tag früher nach Hause! Städte mögen wir eh' nicht. Also haben wir die Fähre einen Tag vorgebucht und uns auf den Weg durch stärkeren Regen nach Helskini gemacht. Plötzlich, zunächst noch ohne Zeitdruck, reklamierte Sibbe Probleme. Erst muckte sein Vergaser rum, dann fuhr seine Möhre nach einem Stop nicht mehr an. Wir checkten eines nach dem anderen: Der Motor lief. Ein Blick auf das vordere Ritzel nach Demontage des LiMa-Deckels brachte auch keine Erkenntnis. Aber siehe da, warum ist denn die Kapselung vom Sekundärantrieb schrott, und warum ist die Kette abgesprungen? Und was sind denn das für lustige Kügelchen hier überall? Houston, we have a Problem. Noch drei Stunden bis zu Fähre, wir stehen im Regen irgendwo im nirgendwo und wir haben eine echte Panne mit Showstopper. Die komplette Sekundärantriebseinheit war hinüber. Grundsätzlich haben wir nur Verschleißteile mit und keine Ersatzteile. Sonst wäre ja die Spannung raus. Nach unser Panne letztes Jahr in Dömitz haben wir allerdings eines gelernt: Ein Sekundärantrieb ist sehr wohl ein wichtiges Teil, und es war rein zufällig das einzige Ersatzteil, welches wir dabei hatten. Also Moped abrödeln, Hinterrad ausbauen, Sekundärantrieb tauschen, und nach 45 Minuten ging es fröhlich weiter durch den Regen, immer den Schildern zur Fähre nach!
    Der Sekundärantrieb:


    Durch den pannenbedingten Zeitdruck hatten wir nun leider viel zu wenig Zeit uns Helsinki anzugucken. Der Hafen ist aber auf alle Fälle schön! Er wäre noch schöner gewesen, wäre auch unsere Fähre auffindbar gewesen. Wir waren doch allen Schildern richtig gefolgt, und alle anderen Fähren war doch auch hier?

    Ein Anruf bei Finnlines brachte die Erkenntnis: Deren Fähre fährt 18 Km woanders, und somit mussten wir uns jetzt erst recht beeilen! Aber wir haben es geschafft und diesen und anderen Stress durch Leertrinken der Bordbar kompensiert.

    Finnische Schären:


    Tag 9 Fähre Helsinki nach Travemünde sowie Camping in Travemünde:

    Nur einen Kilometer vom Fährterminal entfernt gibt es einen richtigen deutschen Campingplatz. Mit Platzwart, Gartenzwergen und Jägerzaun. Aber nett sind sie da trotzdem, und eine Pizzaria gibt es da auch.


    Tag 10: Travemünde nach Hamburg

    Sie Sonne lacht und die Simmen schnurren! Die Schleswig-Holsteinischen Landstraßen waren genauso schön wie auf dem Hinweg, wenn nicht noch schöner! Wir waren für 11:00 Uhr an unserer Ziellinie an der Stadtbäckerei angekündigt, und eine Pause hier und da half uns die Zeit zu strecken, um nicht vor den Familien da zu sein. Die Freude über das Wiedersehen war groß, ebenso die Euphorie über das neuerlich gemeinsam bestandene neue Simsonauten-Abenteuer!

    Abschließen soll dieser Reisebericht mit einem Zitat aus einem Simson-Test von Bernd Liedke aus dem Jahre 1983, dem durchschnittlichen Geburtsjahr unserer 4 Simmen: "Gehen Sie in sich. Wenn Sie dort jemanden finden, der dem mitleidigen Lächeln törichter Ignoranten gewachsen ist, sind Sie würdig eine Simson zu chauffieren. Geben Sie Gas, stellen Sie sich der Welt - hier fahre ich, ich will nicht anders."

    +++ENDE+++

  6. #6
    Schwarzfahrer
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    Sehr gut gemacht Sören! Geistreich und spannend Vielen Dank für die schöne Dokumentation!

  7. #7
    Zündkerzenwechsler Avatar von BigUpGeorge
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