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Thema: Simson - Nordkap ???


  1. #49
    Glühbirnenwechsler
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    Glückwunsch an Christian K und seinen Kumpel. Es ist eine tolle Leistung. Es macht für mich auch keinen Unterschied, ob man so wie wir zum Nordkap fährt, oder "nur" bis auf die Höhe von Trondheim. Jeder hatte seine Idee und versuchte diese umzusetzen. Alle sollte mal versuchen, über einen längeren Zeitraum größere Tagesetappen zurückzulegen.

    Nun wieder zu unserer Tour noch vor dem Start. Nachdem die Mopeds fertig waren begannen die eigentlichen Probleme. Wohin mit Ersatzteilen, Werkzeug, Klamotten und Campingausrüstung? Alles musste abgespeckt werden und trotzdem kamen echt Zweifel, denn die "restliche" Fuhre war immer noch gewaltig, zumal niemand die Fahrleistungen wusste. Jedes Absinken bedeutete doch eine kürzere Nachtruhe, kürzere Pausen oder unser Ziel später erreichen! Daher freuten wir uns umsomehr, daß es später so gut voran ging.
    Leider starteten wir bei Nieselregen. Ein schlechtes Ohmen? Es wurde aber bald besser. An das Gewicht gewöhnten wir uns schnell. Aufpassen mussten wir aber beim Aufbocken auf den Hauptständer. Die Fahrstrecken zwischen den Pausen waren ordentlich. Anfangs sogar über 100km, später waren es meist um die 50. Eine große Rast machten wir in Neubrandenburg. Nach unserem 1.Tankstop waren wir total überrascht. Mit diesem Verbrauch hatten wir nicht gerechnet, zumal wir etwas später starteten und trotzdem eine bestimmte Fähre nach Schweden erreichen wollten. Dadurch hatten wir eine ordentliche Gashand und schafften trotzdem 2,70l/100km. Somit konnten wir unsere Reichweiteberechnungen korrigieren, was für den Norden sehr sinnvoll war. Ein BMW-Fahrer und seine Freundin, auch mit ihrer BMW unterwegs, staunten über unsere Gefähte und unser Reiseziel. Ich glaube, er wär am liebsten mitgekommen. Beinahe hätte er wohl seine Maschine eingetauscht - gegen eine Simson, natürlich! Auf die Insel Rügen gings über die Rügenbrücke. Toller Ausblick! Dann noch eine große Pause,die restlichen Kilometer bis Saßnitz/Mukran und schon hatten wir unsere Fährtickets in den Händen. Man sagte zu uns, wir sollen in Reihe 6 bis ganz nach vorn fahren, da wir zuerst aufs Schiff fahren sollten. Ein polnische Familie mit ihrem Auto wusste dies jedoch nicht und der Fahrer erklärte uns, er sei extra so frühzeitig hier, 3 Stunden warte er bereits. Nun stand er eben auf Platz 3. Hinter 2 Simson, versteht sich! Denn wo wir sind ist Vorn! Zur Besiegelung unser Freundschaft bekamen wir seine Adresse und Telefonnummer aus Göteborg/Schweden wo er jetzt wohnt. Seine Frau meinte, weil wir "Super-Simson" hätten und die tolle Qualität auch in Polen bekannt sei. Gute Reise! Dann gings auf die Fähre, dort wurde das Schiff an unseren schwerbeladenen Maschinen befestigt und wir verließen unsere Heimat. Skandinavien wir kommen! Das Abenteuer kann beginnen!

  2. #50
    Simsonschrauber Avatar von Castaneda
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    Und wart ihr die Beiden, die ich am 20. Mai in der Nähe von Fahrland am Straßenrand hab stehen sehn? Ich glaub ihr habt mich leider nicht bemerkt, als ich mit meiner grünen Schwabasaki an euch vorbei geknattert bin.

  3. #51
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    Ja, wir waren an diesem Tag in Fahrland und haben dort unsere erste Pause gemacht. Waren allerdings nicht so hilfslos wie Du zuvor schon mal geschrieben hattest. Dich hatten wir nur etwas zu spät mitbekommen, da warst Du schon vorbei.

  4. #52
    Flugschüler Avatar von Christian K
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    Hey Nordsachse, ich habe riesen Respekt vor euer Tour, zumal der wirklich hohe Norden ja weiterhin als Ziel fuer uns bestehen bleibt. Da oben hat unsere Ausruestung einfach nicht zum Wetter gepasst. Ich bin mit meiner Freundin unterwegs, und nicht mit einem Kumpel. Ich bin sehr stolz auf sie, zumal sie mittlerweile ihre Zuendung selber einstellen kann.
    Wir sind bei einem ehemaligen Kommilitonen, der seine Ph.D. in Stockholm macht, fuer das Mittsommarfest untergekommen. Heute abend wird also Ausgiebig gefeiert. Unsere Tour werden wir dann noch nach zu den grossen Seen Vattern und Vännern vortsetzen, aber vorher steht wieder die abenteuerliche Tour aus der Stad raus an. Autobahnfahren ist ja nicht..
    ich wuerde einiges anders machen, wenn ich die Tour nochmal neu planen wuerde.. besseres Kartenmaterial besorgen, bessere Klamotten, vor allem heisst "Waterproof" nicht dass man nach 3 h Dauerregen nicht auch durchgeweicht sein kann.. anderes Zelt, und vielleicht doch ne elektronische Zuendung..
    Groessere Problemem gab es nicht.. die Schwalben sprangen die letzten Tage schlecht an.. Chrissi hat sich daraufhin nen neuen Unterbrecher eingebaut... es waren aber die Zuendkerzen.. die Elektroden waren auf ueber 1 mm Abstand abgebrannt. aber bei tollem rehbraun...nach 2500 km.. da hätten wir wohl mal frueher nach sehen sollen.. an sonsten das Uebliche.. Kette spannen, alle Schrauben fest ziehen, Bowdenzuege ölen, Luft kontrollieren.. muessen bald die Reifen von vone nach hinten tauschen.
    Geändert von Christian K (25.06.2010 um 12:32 Uhr) Grund: Zwischenspeichern..

  5. #53
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    Gegen 7 Uhr rollten wir von der Fähre in Trelleborg/SWE. Zu den ersten Aufgaben gehörte Geldumtausch, Frühstück und mit den Benzinpreisen vertraut machen. Die Route führte uns über Svedala, Dalby, Höör, Hässleholm nach Osby an eine Raststätte. Auch hier mussten wir viele Fragen beantworten. Ein Ehepaar aus dem Norden Deutschlands schrieb sogar in einem Schwedenforum von diesem "Ereignis". 25km vor Växjö verließen wir diese große Hauptstraße. Alvesta und Lammhult waren die nächsten Ziele. Die Landschaft wurde nun auch hügliger. Einen kurzer, aber dafür kräftiger Regenschauer senkte die Temperatur von 22 auf 17°C. In der Hähe von Vrigstad nutzten wir das Jedermannsrecht und bauten unser Zelt auf einer Waldlichtung auf. Übrigens Wald, den gibt es bereits hier schon in Hülle und Fülle. Nur ganz im Süden von Schweden überwiegten die landwirtschaftlich genutzten Flächen. Bis zur Fähre auf Rügen hatten wir 420km mit einem Schnitt von 51,6km/h, am heutigen Tag kamen nach einer schlaflosen Nacht auf der Fähre noch 281km dazu. Schnitt 49,7km/h. In der Nacht regnete es für längere Zeit, was die Mücken aber nicht so richtig störte.

    Der 3. Tag begann mit der Weiterfahrt nach Huskvarna nahe Jönköping. In diesem Ort befindet sich ein Fahrzeugmuseum. Anfangs wurden hier Waffen, Öfen, später vorallem Fahrräder, Mopeds, Motorräder und Kettensägen unter dem Namen Huskvarna hergestellt. Weiter gings entlang des Vättern-See. Er ist Schwedens zweitgrößter See mit einer Fläche von 1912km² und damit etwa 4mal so groß wie der Bodensee in Deutschland. Das Wetter war hervorragend. 25°C, volle Sonne, die Mopeds schnurrten wie eine Eins. Über Mjölby und Linköping gelangten wir nach Berg am Göta-Kanal. Er wurde 1832 fertiggestellt, heute ist er eine Touristenattraktion. Wir konnten sogar eine Schiffspassage durch diese Schleusentreppe beobachten. Nördlich des Roxen-See gabs einen Offroad-Abschnitt. Bereits so kurze Zeit nach dem Winter war die Piste in einem hervorragendem Zustand. Völlig ohne Löcher und guten Grip bietend, einfach ein Genuss. Unsere Kommunen sollten sich mal eine-Scheibe-abschneiden. Dann gings von Norrköping die alte Hauptstraße in Richtung Stockholm. Sie wurde durch eine Autobahn zur Nebenstraße. Ihr relativ guter Zustand wurde nur durch eine schlechte Ausschilderung getrübt. Stockholm fehlte völlig, es gab nur Schilder von Dorf zu Dorf. Das ganze noch in der Nacht machten unser Becker-Navi zum hervorragendem Wegbegleiter! Nyköping,Södertälje und dann... Regen! 30km vor Stockholm begann es wieder zu schütten. 3:30 Uhr waren wir im Hafen der schwedischen Hauptstadt. 450km bei einem Schnitt von 45,8km/h. Somit benötigten wir von Sachsen bis nach Stockholm nur 64,5 Stunden für 1151 zurückgelegte Kilometer und da sind alle Pausen eingerechnet.
    Die reine Fahrzeit betrug 23h 37min, wodurch sich ein Durchschnitt von 48,7km/h ergibt. Nun haben wir also einen weiteren großen Abschnitt geschafft. Schweden ade - Finnland wir kommen!

  6. #54
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    Hallo Christian K + Freundin! Da habe ich wohl was überlesen. Entschuldigung das ich Kumpel dachte. Habe gleich noch mehr Hochachtung vor Eurer Tour. Auch wenn Ihr Euer nördliches Ziel nicht ganz erreicht habt ist es eine tolle Leistung. Wir haben doch auf der Heimreise auch Abstriche machen müssen. Ich wünsche Euch noch viel Spaß, tolles Wetter, keine technischen Probleme und eine unfallfreie Heimreise!

  7. #55
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    Die Abfahrt von Stockholm erfolgte 7:45 Uhr. Die Fährüberfahrt ging durch den Schärengarten - viele bewohnte und unbewohnte Felsinseln. Schade nur, daß es immer noch regnete. Somit war unsere Fotoausbeute leider gering. Zwischenstop war im Hafen von Mariehamn auf den Alandinseln. Wir beobachteten das Verlassen und an-Bord-kommen von vorwiedend Motorrädern. Die Alandinseln sind eine Inselgruppe die aus mehr als 6500 Inseln besteht. Wir hätten auch hier das Schiff verlassen können, denn man kann mit kleinen Fähren von Insel zu Insel zum Festland von Finnland gelangen, jedoch unser Zeitplan machte dies unmöglich. Auch der anhaltende Regen hätten diese Variante nicht erleichtert. Kurz vor 20 Uhr waren wir in Turku/Finnland. Da der Campingplatz seine Saison noch nicht begonnen hatte, suchten wir nach einer anderen preiswerten Übernachtungsmöglichkeit. Von "Räuberhöhlen" bis zum Mittelklassehotel waren unsere Ziele in Turku. Erst nach längerem Suchen fanden wir eine Bleibe, die bezahlbar und top in einem war. Somit hatten wir 5km auf finnischem Boden zurückgelegt und unser Gesamtkilometerstand schraubte sich an diesem Pfingstsonntag auf 1156.

    Nachdem übernacht alle Sachen wieder trocken waren, wir kräftig gefrühstückt hatten und der Wetterbericht aus der Heimat für diesen Tag trockenes und sonniges Wetter vorhergesagt hatte, starteten wir in die nächste Etappe. Wegen eines vergessenen Werkzeuges und einer weiteren dünnen Regenplane machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Geschäft. Nach diesem Einkauf noch schnell zur Tanke und dann raus aus der Stadt. Das Wetter machte uns aber wiederum Sorgen. Mit dem Sonnenschein wars nichts und dem bedeckten Himmel folgte erst Nieselregen und dann goss es wie aus Eimern. Nach ca. 80km Regenfahrt machten wir eine Rast an einer kleinen Tankstelle. Bei Kaffee und Snack wurde eine finnische Tageszeitung zur Lektüre. Der Wetterteil sagte, nach Übersetzung des Tankwartes, ebenfalls volle Sonne vorher. Es hatten sich wohl alle Wetterfrösche geirrt. Meine Frage mit abwechselndem Fingerzeig auf Zeitung (volle Sonne) und dem tatsächlichen starken Regen : "Wenn das finnische Sonne ist - wie ist dann erst finnischer Regen????" beantwortete der Tankwart mit verständnisvollem Blick und auch Grinsen. Er hatte die Ironie verstanden. Also ging es im Regen weiter. In Hämeenlinna war dann erst mal Schluß. Meine Regenkombi war undicht! Wir hatten diese zusätzlich zur wasserdichten Textilbekleidung darübergezogen. Durch die undichte Stelle drang das Wasser und damit vor allem die Kälte nach innen. Zuerst dachte ich, daß auch die Textilbekleidung undicht war, doch durch die Kälte gegenüber den warmen Bereichen war es trotzdem unangenehm. Gegen 20:30 Uhr bauten wir am Stadtrand im Wald unser Zelt auf. Es schüttete noch immer. Damit endete der Tag nach nur 193 gefahrenen Kilometern und einem Schnitt von nur 47,3 km/h.

  8. #56
    Flugschüler Avatar von Christian K
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    Hallo,

    So, da wären wir also in Trelleborg. ueber 4000 km (seit heute) liegen hinter uns. Das Ticket fuer die Fähre um 23 Uhr nach Rostock ist bereits gekauft.
    Ab Stockholm ging es fuer uns in 2 Tagen zum Vätternsee, Wir haben einmal an einem Schönen See bei Katarineholm gezeltet und am Vätternsee in Askersund uebernachtet, dann folgte die Hammeretappe von 424 km nach Öland. auf Öland blieben wir 2 Nächte und umrundeten die Insel an einem Tag. Ein tolles gefuehl mal wider ohne die 30 kg Gepäck an der Schwalbe durch die Landschaft zu fahren. Von Öland ging es an der Ostsee lang auf der 9 Richtung Trelleborg, dabei zelteten wir noch eine Nacht in der Nähe von Kristianstad. fuer die letzte Etappe haben wir noch eine Stop in Ystad eingeplant. Haben auf Wallanders Spuren die Stadt erkundet, die dazu nötige KArte gibt es in allen Sprachen im Touristenbuero. Jetzt sitze ich in Trelleborg in der Bibliothek, hab noch 6 h Zeit, bis die Fähre fährt. wenn uns Langweilig wird, stellen wir uns einfach am Terminal nach vorne in die Reihe, und erzählen den Endurofahren von den schönsten Schotterstrassen ueber der Baumgrenze :)
    wer kommt am Wochenende zum Ostfahrzeugtreffen nach Puettnitz bei Rostock? ich glaube wir werden die Schwalben zu hause garnicht abladen, und einfach dahin weiter fahren..

  9. #57
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    Der 6.Tag begann mit dem Kauf einer neuen Regenkombi bei einem Harley-Händler in Hämeenlinna. Weiter ging es ostwärts. 30km vor Lahti an einer Raststätte lernten wir einen Finnen kennen der ab und zu beruflich in der Nähe von Leipzig unterwegs ist und dadurch ganz gut deutsch sprach. Er berichtete von einem Bekannten der 50cm³ Mopeds sammelt. Eine Simson soll auch dabei sein, meinte er. Nach kurzem Telefonat gab er uns die Adresse des Mannes der nun schon auf uns wartete.
    Dieser wohnte im Wintersportort Lahti, ist eigentlich Schriftsteller und sammelt seit vielen Jahren 50cm³ Maschinen. Die meisten dieser sind im Original-Zustand, aber einige sind absolute Unikate wie z.B. ein Moped mit Eigenbau-Anhänger. Dieser wasserdichte und gefederte Anhänger dient zum Schlafen bei seinen Touren. Leicht und windschnittig sind weitere Attribute dieses Fahrzeuges. Am nächsten Wochenende, so berichtete er, sei ein Mopedtreffen in seinem Heimatort, zu dem viele Freunde aus weiten Teilen Finnlands mit ihren 50cm³ Fahrzeugen anreisen werden. Doch leider konnten wir nicht warten, denn uns rief ja das Nordkap. In seiner Sammlung war auch ein Simson SR2. Mit Stolz erzählte er von der guten Qualität dieser Fahrzeuge, die um 1960 nach Finnland exportiert wurden. Und wieder hieß es "Gute Reise!" Nachdem wir uns das Schanzenareal angesehen hatten, gings bei übrigens sonnigen 12°C weiter. Kilometerfressen war angesagt! Eine Hauptstaße führte uns die etwa 130km nach Mikkeli. Weiter über kleinere Straßen nach Puumala. Es wurde bereits dunkel als wir dann in Savonlinna ankamen. 377km waren es nun bereits, wir fühlten uns gut und so fuhren wir also weiter in die Nacht. Kalt und neblig wurde es. Bis auf knapp über den Gefrierpunkt sank das Thermometer. Dank guter Klamotten kein Problem. Karelien-Highway nannte sich die große Hauptstraße, die uns nun nach Norden führte. Nebenbei bemerkt, waren wir nur etwa 20km von der russischen Grenze entfernt. Die hier nur kurze Dunkelheit hatten wir geschafft und kurz vor Regenbeginn waren wir in Joensuu. Ein mittelprächtiges Hotel sollte für die nächsten Stunden unsere Schlafstätte werden, denn für den ganzen Tag war wieder mal Regen angesagt. Durch unsere Nachtfahrt hatten wir aber 535km geschafft! Gute Nacht gegen nun bereits 10 Uhr.
    Geändert von nordsachse (07.07.2010 um 10:22 Uhr)

  10. #58
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    Den heutigen Regentag verbrachten wir nun also im Hotelbett. Gegen 16 Uhr beendeten wir unsere Tagruhe und packten unsere Sachen. Das Wetterstudium erbrachte noch Regen bis zum Abend, danach trocken aber kalt. Die Vorschau ergab aber, daß es im Bereich um Kirkenes, nahe der russischen Grenze, und vor allem im weiteren Streckenverlauf bis zum Nordkap immer wieder größere Niederschlagsmengen geben sollte. Das Nordkap wollten wir, ab hier, in 7 Tagen erreichen, doch da sollte es nur Sauwetter geben. Auch einen Tag früher oder später wäre Mist gewesen. Zusammengefasst hieß es also, auf einer Strecke von mehr als 2000km meist Regen und um die 5°C! Nur, in ab heute 3 Tagen, war für die Region am Nordkap Sonnenschein zur Mitternachtssonne vorhergesagt! Unser Navi errechnete aber etwa 1400km als kürzeste Strecke. Also 3mal etwa 470km! Aber die Aussicht auf die Mitternachtssonne war gegeben und somit änderten wir unseren Routenplan, gaben aber leider die Fahrt direkt an die russische Grenze auf und dadurch auch unser Ziel von etwa 10000km. Alles musste aber passen, nichts durfte dazwischen kommen, auch kein Problem mit unserer Fahrzeugflotte. Nach einem ausgiebigen Abendessen bei einer amerikanischen Fastfoodkette rollten wir satt und ausgeruht gegen 20:30 Uhr bei leichtem Nieselregen und 10°C in die Nacht. Fahren, kleine Pause, fahren, größere Pause, fahren, kleine Pause........,fahren. Trocken war es nun mittlerweile, aber dafür sehr kalt. Eis war auf den Pfützen am Strassenrand. Der neue Tag hatte längst begonnen, es wurde eh nicht mehr richtig dunkel. Aber kein Imbiss oder Tankstelle hatte geöffnet. Also gab es nichts zu essen und auch keinen heißen Kaffee. Die Finnen schlafen eben zu dieser Uhrzeit, nicht so wie die verrückten Sachsen! Gegen 4:30 Uhr machten wir auf einer Waldlichtung eine Rast und legten uns ohne Zelt auf unsere Schlafmatten. Bereits 351km waren wir dem Nordkap näher. 2 Stunden Schlaf gab es. Die höher steigende Sonne wärmte alles schnell von 0°C auf 10°C auf. Frühstück gab`s im nächsten Ort. Die weitere Strecke würde etwas hügliger. Um die Mittagszeit war in Pudasjärvi ein Tankstopp angesagt, der bei mir einen Verbrauch von nur 2,39l/100km ergab! Der gefühlte Kaffeeverbrauch lag wohl höher. Nach weiteren fünf Stunden erreichten wir die Stadt Rovaniemi am Polarkreis. Nach einigen Fotos in der Innenstadt füllten wir unseren Reiseproviant auf. Nach einer heftigen Steigung erreichten wir den Polarkreis. Der Polarkreis ist die südlichste Grenze der Mitternachtssonne, einem Gebiet an dem es im Sommer 24 Stunden hell ist, im Winter dafür aber die Sonne auch nicht aufgeht. Alles ist auf die Besucherströme und deren finanzielle Mittel ausgelegt. Busseweise werden Besucher angekarrt. Rudelweise Wohnmobile stören die Ruhe des Nordens. Am Abend war hier aber Stille. Dadurch konnten wir hier unsere Fotos machen, denn eigentlich ist dieser Bereich für Kraftfahrzeuge aller Art tabu. Wir übernachteten auf einem Campingplatz im nahen Rovaniemi, denn da wartete eine heiße Dusche auf uns. Wir hatten innerhalb von weniger als 24 Stunden 628km abgespult!!! Wiederum gab es überhaupt keine technischen Probleme.

  11. #59
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    Wir schliefen wie die Murmeltiere. Unsere französischen Nachbarn versuchten ihre mit Alkohol betriebenen Gespanne zu starten, was sich durch die Kälte am frühen Morgen als langwierig herausstellte. Unsere Fahrzeuge sprangen sofort an und die Franzosen staunten. Meine Worte: "Technik RDA" ( RDA ist französisch für DDR ) erwiderten sie mit neidvollen Blicken. Auch sie wollten zum Nordkap. Hinter Sodankylä machten wir nahe einer großen Brücke eine Rast an einem Imbiss, der zufällig den ersten Tag des Jahres geöffnet hatte. Die Reisesaison begann eben erst. Es gab hier leckere Eierkuchen mit Moltebeeren (in manchen Regionen als Pfannkuchen bezeichnet). Weiter ging es zu einer Besichtigung nach Tankavaara, einer alten Goldgräberstadt. Wenige Kilometer weiter stand unsere erste richtige Bergprüfung an. Wir fuhren auf den Berg Kaunispää. Mehrere Abschnitte dieser Auffahrt konnten wir nur im ersten Gang bewältigen. Das finnische Wintersportgebiet konnten wir selbst Ende Mai noch gut erahnen, die Liftanlagen standen zwar still, doch größere Flächen waren immer noch mit Schnee bedeckt. Nach weiteren 70km erreichten wir den Ort Inari am gleichnamigen See. Dieser mit über 1000km² 6.-größter Binnensee Europas ist oftmals bis in den Juni mit Eis bedeckt. Vor dem besten (einzigstem?) Resturant stellten wir unsere Mopeds ab und wurden schon kurz darauf in deutscher Sprache begrüßt. Ein Thüringer lebte seit einiger Zeit als Aussteiger in dieser Gegend. Die Fahrzeuge seiner Heimat erkannte er sofort. Nach unserer Stärkung setzten wir gegen Mitternacht und bereits über 350 Kilometern unsere Fahrt fort. Bei etwa 8°C verließen wir den nur etwa 120m hochgelegenen Ort in die Berge. Zwar ging es nur wenig über 300m über den Meeresspiegel, doch das Thermometer sank rapide auf unseren weiteren 80km in Richtung norwegischer Grenze. Das gesamte Gebiet war bei -3°C mit Reif bedeckt. Keine Einkehrmöglichkeit weit und breit. Selbst die 5 Elche unweit der Straße konnten unsere Stimmung nur unwesentlich aufbessern. Auf dieser Hochebene zu bleiben ging nicht. Noch in Inari war alles OK, doch dieser Abschnitt war die reinste Qual! So blieb nur die Hoffnung das es im nur 150m hochgelegenen Grenzort Karigasniemi wieder wärmer sein würde. Kurz nach 2 Uhr waren wir dort. Das Thermometer zeigte aber immer noch 2 Grad unter Null! Zu allem Übel versuchte die einzigste Bar im Ort gerade ihre Gäste loszuwerden. Uns gelang es gerade noch Kaffee zu bekommen. Die Wärme wollte aber nicht so richtig in unsere Körper zurückkehren. Am Rande des Ortes schlugen wir für wenige Stunden unser Lager auf. Bei -3°C ging es ohne Zelt nur in die Schlafsäcke. Nur eine kleine Plane legten wir zum Schutz vor dem Reif über uns. Weiter ging es auf keinen Fall mehr, denn die Strapazen der nun fast 3000km ab der Heimat verstärkten unser Kälteempfinden noch mehr. 458km waren es bis hier und trotz der Kälte schlief ich ganz gut.

  12. #60
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    Dei ganze Sache klingt echt interessant.,.. ich will mehr darüber wissen

  13. #61
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    Die kurze Nachtruhe wurde durch meinen Kollegen noch weiter minimiert. Obwohl er den gleichen Schlafsack besaß, der übrigens bis etwa -10°C für angenehme Wohlfühltemperatur sorgen sollte, hatte er, im Gegensatz zu mir, wohl schlecht geschlafen. Meine Aussage, daß heute Samstag ist und somit die Öffnungszeiten um 2 Stunden später begannen, ignorierte er genau so, wie die eine Stunde Zeitverschiebung zur Heimat. Natürlich waren im nahen Ort alle Geschäfte und die Tankstelle mit Imbiss zu! Erst 8 Uhr gab es Frühstück und Benzin! Kurze Zeit später rollten wir über den Grenzfluß nach Norwegen. Hier trafen wir wieder unsere französischen Freunde, die ihre letzte Nacht im finnischen Inari verbracht hatten. Somit lagen wir für einige Stunden vor ihnen. Durch die bergige Gegend übernahmen sie aber bald wieder die Führung im ungleichen Rennen. Zwischen Karasjok und Lakselv mussten wir über eine etwa 400m hochgelegene Hochfläche, auf dieser die Seen nahezu noch völlig mit Eis bedeckt waren. Am Westufer des Porsangerfjord, einem Teil des Nordpolarmeeres, ging es bei herrlicher Sicht von Fotostop zu Fotostop. Der blaue Himmel mit dem kargen Felsen, einfach grandios! Die Filmaufnahmen mit meinem Camcorder drückten leider unser Reisetempo. Warme windgeschützte Stellen wechselten sich mit Kälte, Wind und dunklen nassen Tunneln ständig ab. Als weiterer Höhepunkt folgte nun noch der 6870m lange Nordkaptunnel. Dieser führt bis zu 212m unter dem Meersspiegel entlang und verbindet das euröpäische Festland mit der Insel Mageroy, auf der sich das Nordkap befindet. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man in einer nur gering beleuchteten Röhre für etwa 3km ständig steil bergab fährt und dabei den Höhenmesser beobachtet. Über uns nur Fels, dann jede Menge Wasser und da oben schwimmen die Passagierschiffe mit den Touristen! Für etwa einen Kilometer ging es in dieser Tiefe fast Waagerecht doch dann folgte die fast 3km lange Fahrt zurück an die Oberfläche. Ständig wechselte der Blick vom Tacho zum Höhenmesser. Im 2. Gang ging es mit fast Vollgasstellung nach oben. -212m, -180m, ..., -100m. Doch dann kam der Hammer, denn der letzte Kilometer des Aufstieges konnte leider nur noch im 1.Gang bewältigt werden. Unsere Gesamtmasse von knapp über 260kg und der ungünstigen Kombination mit nur 3,7 PS zeigte ihre Wirkung! -80m, -50m, -20m und endlich die Ausfahrt aus dem Tunnel! Niemals zuvor hatte ich ein Tunnelende so herbeigesehnt. Hinter der Hafenstadt Honningsvag mussten wir unsere Simsons leider wiederum mehrmals im ersten Gang quälen. Noch etwa 30km waren es bis zu unserem Ziel. Die Strecke wollte nicht enden. Schon von weitem sahen wir das Nordkapgebäude. Nur noch schnell die Mautstelle passieren und dann waren wir da! Wir parkten zwischen all den Wohnmobilen, Autos, Autos mit Wohnwagen und Motorrädern. Nach exakt 9 Tagen, 6 Stunden und 22 Minuten sowie 3288 gefahrenen Kilometern waren wir am Nordkap!!! Die reine Fahrzeit betrug 67 Stunden und 26 Minuten, was einem Durchschnitt von 48,75 km/h entspricht! In diesem Moment waren uns die Zahlen aber völlig egal. Wir waren nicht nur überglücklich über unsere bis hierher zurückgelegte Strecke, sondern wir waren vor allem eines, wir waren fix und fertig! Die gesamte Anspannung der letzten Tage, die Gedanken an die Technik die nicht kaputt gehen durfte, die gesamte Arbeit der letzten Monate, die Wetterkapriolen mit Dauerregen und Kälte, die häufigen Nachtfahrten ohne Schlaf, alles löste sich jetzt langsam in ein Glücksgefühl auf!!! Die Quälerei der letzten Tage hatte sich gelohnt und die Wetterfrösche hatten Recht. Es war völlig blauer Himmel! Eine Frau vom Infostand beantwortete meine Frage nach der Häufigkeit von solch schönem Wetter mit folgenden Worten: "Im gesamten vorigen Jahr und in diesem Jahr gab es während der Zeit der Mitternachtssonne keinen solchen schönen Himmel!" 2100km waren wir nur noch vom Nordpol entfernt während es bis in die sächsische Heimat 2276km waren. Natürlich fotografierten wir unsere beladenen Fahrzeuge direkt am Modell der Weltkugel
    ( sächsisch: "Gullor" ). Nach dem Zeltaufbau gab es 4-Sterne-Suppe vom Benzinkocher. Kurz vor Mitternacht rollten die Buskarawanen mit den Touristen an und auch wir gingen wieder die wenigen Meter zur Nordkaphalle und zur Gullor.
    Hier trafen wir auch unsere französischen Freunde wieder, die wir unbemerkt am späten Nachmittag wieder überholt hatten. Sie hatten Hütten wenige Kilometer vor dem Nordkap gemietet und kamen nur zur Mitternachtssonne zum Plateau.

  14. #62
    Glühbirnenwechsler
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    Hallo Leser dieser Seite! Ich möchte nochmals auf meine Frage vom Mai letzten Jahres zurückkommen. Gibt es denn nun weitere Simsonfahrer die diesen Traum vom Nordkap haben und diesen auch ernsthaft versuchen umzusetzen? Und als Ergänzung noch die Frage: Welche Simsonpiloten waren bereits dort?
    Crowley war ja 2009 mit seiner Schwalbe dort, dann die 3 Schwalben vom Schwalbenteam aus Thüringen 2006, Bernd Raffelt aus Sachsen soll nach der Grenzöffnung mit einer Schwalbe im Jahr? ebenfalls dort gewesen sein und dann unsere eigene Saxony-Northcape Tour 2010 mit 2 S51. Wer weiß von weiteren Suhler Moppeds die dort waren?

  15. #63
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    Noch ein Nachtrag: Für alle die noch auf Fotos meiner Tour warten, bitte noch etwas Geduld denn der Winter wird noch lang.

  16. #64
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    Die bisher größten Sorgen waren die Sitzprobleme und der oftmals langanhaltende Regen bei niedriger Temperatur. Sicher kann man jede Nacht in Hütten oder Hotels verbringen, doch diese Varianten sollten bei uns nur die Ausnahme sein. Nur leider trocknet im Zelt bei Regenwetter nichts! Diese bisherige Leistung konnte nur durch einen starken Willen und die gut vorbereiteten Fahrzeuge errreicht werden, denn ich denke es ist eine Extremleistung mit diesen bepackten Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden bis zu 628 Kilometer und bei unseren beiden Dauerfahrten über mehr als 30 Stunden 701km ohne Schlaf und 771km bei nicht mal 2 Stunden "Nachtruhe" zu schaffen.

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