Kaufberatung

Aus Simson Wiki

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Der Artikel Kaufberatung soll erste Hilfestellungen bei der Suche nach dem richtigen Simson-Fahrzeug bieten.


Welche Simson soll's denn sein?

Diese Beantwortung dieser Frage hängt von den persönlichen Wünschen und viel mehr noch vom vorhandenen Angebot ab.

Mokick oder Roller

  • Vorteil vom Mokick ist die leichtere Erreichbarkeit von Motor und Vergaser für Wartungs- und Reparaturarbeiten.
  • Vorteil vom Roller ist der eindeutig bessere Wetterschutz.

Motor M5x oder M501

Die gebläsegekühlen M53 und M54 Motore bieten den Vorteil der besseren Kühlung besonders bei Last, sind allerdings komplizierter in der Reparatur als die M501-Typen. Diese bieten dafür spürbar mehr Drehmoment.

Oldtimer oder Youngtimer

Je älter die Simme ist, desto schwieriger wird die Ersatzteilversorgung. Während für KR51/1 und /2, S50, S51 und SR50 noch so gut wie jedes Ersatzteil käuflich zu erwerben ist, und sei es als (leider oftmals schlechte) Nachfertigung, sieht die Versorgungslage für die frühen Modelle ganz besonders bei den Blechteilen schon schlecht aus. Hier ist man auf den Besuch bei Oldtimermärkten und auf ein gut gefülltes Portemonnaie angewiesen.

Scheunenfund oder Top-Restauration

  • Wer Geld sparen will hat's besonders schwer, denn gerade bei Scheunenfunden kann der Kaufpreis die kleinste aller Ausgabe werden.
  • Wer fahren will und möglichst wenig Schrauben, der sollte ein fahrbereites und in Ordnung gebrachtes Exemplar bei einem offiziellen Händler kaufen, der zur Gewährleistung verpflichtet und dazu auch bereit und in der Lage ist.
  • Wer Spass am Schrauben hat, der kauft das, was ins Budget passt und (einigermassen) komplett ist. Er plant jedoch nicht damit, am nächsten Wochenende oder gleich nach dem in der Werkstatt verbrachten Urlaub auf grosse Tour gehen zu wollen.

ebay oder wo?

Seit es ebay gibt, ist der Wald sauber! Natürlich entsprechen nicht alle ebay Angebote diesem Spruch. Aber oftmals kauft man doch die Katze im Sack, erst recht wenn die Entfernung so weit ist, dass man nicht mal eben vorher vorbeifahren und besichtigen kann. Dann den Verkäufer mit Fragen löchern! Auf keinen Fall sollte man das Abholen (und das Bezahlen erst bei Abholung) scheuen und notfalls, wenn die Mopete stark von der (ausgedruckten und mitgenommenen!) Beschreibung abweicht, vom Kauf zurücktreten. Egal welches Rumpelstilzchen man als Veräufer vor sich hat.
Besser ist es, man kann über eine Kleinanzeige in der lokalen Tageszeitung, über einen Aushang am schwarzen Brett in der Schule, beim Kaufmann o.ä. oder über Freunde und Bekannte an ein Exemplar herankommen.

Finger weg von Tuning-Maschinen

Durch illegales Tuning ist die Betriebserlaubnis erloschen, mit solch einem Fahrzeug darf man sich nicht im öffentlichen Strassenverkehr bewegen. Dazu ist die Sicherheit gefährdet, wenn Fahrwerk und Bremsen nicht für höhere Leistung und Geschwindigkeit ausgelegt sind. Und nicht zuletzt ist der Verschleiss von vielen Teilen durch Tuningmassnahmen und höhere Drehzahlen stark gesteigen. Die ursprünglich bei der Konstruktion vorgegebene Lebensdauer von 40.000 Km ist damit nie und nimmer zu erreichen.

Finger weg von Ost-Re-Importen

Inzwischen werden überwiegend aus Ungarn Simsons reimportiert. Für diese kann man weder neue KBA-Papiere beantragen, noch die 60km/h Freigabe bekommen. Die Fahrgestellnummer ist zumeist mit einem H gekennzeichnet.

Worauf ist beim Kauf zu achten?

Vorbereitung

  • einen Kaufvertrag vorbereiten, denn es könnte ja sein, dass der Verkäufer gar keinen oder einen unzureichenden anbieten will. Wer jemanden in der Familie oder im Freundeskreis hat, der Mitglied in einem Automobilclub ist, kann sich so einen Vordruck besorgen.
  • mit dem Verkäufer einen Termin abmachen und ausreichend Zeit für eine ausführliche Besichtigung bei Tageslicht und eine Probefahrt vereinbaren.
  • Zur Besichtigung sollte man Ahnung von der ins Auge genommenen Simson haben oder jemanden mitnehmen, der möglichst dieses Exemplar kennt. Notfalls muss man sich hier oder im Buch vieles vorher anlesen. Zur Besichtigung geht man mindestens zu zweit und nimmt einen schriftlichen Fragenkatalog mit.
  • Aufpassen, ob Rahmen und Motor überhaupt zueinander und zum angebotenen Modell und zum angeblichen Baujahr passen. Über die Fahrgestellnummer ist evtl. schon eine erste Überprüfung möglich. Es scheint eine Reihe von Fällen zu geben, bei denen ein KR51/1 Motor in einen KR51/2 Rahmen oder auch umgekehrt geschustert wurde.
  • Der Verkäufer sollte den Nachweis der allgemeine Betriebserlaubnis(ABE-Kärtchen) für das Fahrzeug haben. (siehe unten: gefälschte Papiere) Die Fahrgestellnummer darin, sowie auf Typenschild und Rahmen muss übereinstimmen. Ein Versicherungsnachweis reicht nicht aus! Wenn keine Papiere vorhanden sind, dann sollte man sich vom Verkäufer die Rückabwicklung und die Rückerstattung des Kaufpreises im Kaufvertrag bestätigen lassen für den Fall, dass es bei der eigentlich problemlosen Beschaffung neuer Papiere dennoch Probleme geben sollte. Das ist dann der Fall, wenn das Fahrzeug als gestohlen gemeldet wurde.
  • Kann der Verkäufer Quittungen für Reparaturen oder Neuteile vorweisen, ist er bereit Versprechungen schriftlich im Kaufvertrag festzuhalten?
  • Hat der Verkäufer die Simson getunt?
  • Man sollte zu einer Besichtigung ruhig eine Viertelstunde zu früh erscheinen, damit man den Verkäufer bei Startversuchen oder beim Warmfahren überraschen kann. Sollte man auf ihn warten müssen, ist das von Vorteil, weil man dabei schon mal die "Lage peilen" kann. Holt er die Simson aus Schuppen oder Garage oder einer mit anderen ordentlichen Fahrzeugen vollgestellten Werkstatt oder gibt es nur einen grossen Haufen an schrottigen Simssonteilen? Das kann das Vertrauen in den Verkäufer und die angebotene Simme beeinflussen.
  • Versprechungen des Verkäufers, dass vorhandene Fehler ja gar kein Problem seien und sich im Handumdrehen und für wenig Geld zu beseitigen liessen, ist wenig Glauben zu schenken. Wenn es denn wirklich so wäre, warum hat er es dann nicht selber erledigt und einen guten Grund für einen besseren Preis geschaffen.

Besichtigung

Worauf ist zu achten?

  • viele Fotos während der Besichtigung schiessen, nicht dass bei einem späteren Kauf- oder Abholtermin andere Teile angebaut sind.
  • Zylinderkopf/Auspuff anfassen um festzustellen, ob die Simson vorher warmgefahren wurde (deutet auf zukünftige Anspringprobleme im kalten Zustand)
  • allgemeiner Fahrzeugeindruck: Sauberkeit, Beulen und Rost, Risse in der Sitzbank
  • Eindruck von Motor, Vergaser und Auspuff: verölt oder sauber?
  • Tankdeckel aufschrauben, mit dem Finger innen um den Tankstutzen fahren, mit der Taschenlampe reinleuchten: Rost?
  • ist das Fahrzeug komplett?: Blechteile, Blinker, Spiegel, Fussrasten, Griffgummis, Beleuchtungseinrichtungen, Batterie, Schlüssel, Papiere, Bordwerkzeug
  • Reifen: Luftdruck, Profil, Ozonrisse, Hersteller (Pneumant ist zu alt zum Fahren), stehen die Ventile senkrecht, wenn man die Muttern losdreht?
  • Räder: Simson aufbocken und am Rad drehen: laufen die Räder ruhig und eiern nicht, sind alle Speichen vorhanden und klingen sie, wenn man sie mit dem Schraubendreher abklopft?
  • rechten Motordeckel mit Schraubendreher abschrauben. Kette auf Vorhandensein von allen Rollen prüfen. Läuft unter Polrad und Grundplatte Öl raus?
  • alle Bedienelemente auf Funktion prüfen, Bowdenzüge kontrollieren, besonders die Bremsen
  • Motor starten (mit oder ohne Starterhebel?), Beleuchtung, Blinker und Hupe auf Funktion prüfen
  • Wenn die Simson mit Fehlern angeboten wird und man relativ sicher ist, zu wissen, wie man das evtl. sogar mit einem Handgriff beheben kann: schweigen, eher sehr bedenklich mit dem Kopfe wackeln!!!! Bloss nicht schnell in Ordnung bringen. Damit verschlechtert man seine Verhandlungsposition nur unnötig.

Vorsicht vor gefälschten Papieren

Leider hat es immer wieder auch bei ebay (nachgedruckte?) Blanko-DDR-Papiere gegeben, die von wem auch immer ausgefüllt wurden, um eine Simson besser verkaufen zu können. Das ist strafbare Urkundenfälschung.
Doch wie erkennt man diese? Ein besonders guter Zustand ist verdächtig, ebenso ein oft verwendeter Stempel vom VEB IFA-Vertrieb K.M.Stadt, Sitz Zwickau oder Magdeburg. Diese Stempel wurden Anfang der 90er Jahre aus der Firmenauflösung geklaut bzw. inzwischen ebenfalls gefälscht. Die Nr. des Typscheines / der ABE muss zum Fahrzeugtyp passen. Korrekte Papiere wurden vom Verkäufer mit Datum, Unterschift und Name/Anschrift des ersten Fahrzeugkäufers versehen. Ein altes DDR-Postleitzahlverzeichnis könnte Aufschluss über die Korrektheit der Angaben liefern. Änderungen der technischen Daten - wie z.B. handschriftliche Eintragungen - in den Papieren mussten immer von der Volkspolizei abgestempelt werden.
Wenig Sorgen muss man sich machen, wenn einen von der DDR Zulassungsstelle / Volkspolizei abgstempelten Registrierschein oder/und zusätzlich auch das alte DDR-Versicherungsnachweisheftchen mit den Versicherungsmarken und gleichnamigen Eigentümer vorhanden ist, oder wenn es sich um neue KBA-Papiere handelt. Wenn auch leider viele Versicherungen Versicherungskennzeichen ohne Vorlage der ABE verkaufen, so sind die dabei mitgegebenen Versicherungsscheine nicht ausreichend als Eigentumsnachweis.

Probefahrt

  • Wird das Fahrzeug als betriebsbereit angeboten und hat es ein gültiges Versicherungskennzeichen, dann folgt nach der Besichtigung eine ausführliche Probefahrt von mindestens 15 Minuten Dauer, damit man das berühmte Wärmeproblem hoffentlich ausschliessen kann. (genug Sprit im Tank?)
  • Zuerst wird die Wirksamkeit der Bremsen geprüft.
  • Geht der Motor beim Ziehen des Starterhebels aus?
  • Funktioniert die Schaltung durch alle Gänge rauf wie runter ohne Hakeln?
  • Schleift die Kupplung?
  • Wirkt das Fahrwerk ruhig und stabil?
  • Zieht der Motor ohne besondere Geräusche
  • Geht der Tacho?

Fazit

Auch wenn einige oder viele Punkte bei der Prüfung negativ ausgehen, muss man deshalb nicht unbedingt Abstand vom Kauf nehmen. Nur könnte der Kaufpreis dann noch zu überdenken oder zu verhandeln sein. Je geringer der verlangte Kaufpreis ist, desto geringer wird auch der Preisabschlag ausfallen können. Nur sollte man sich nicht vom Verkäufer unter Druck setzen lassen, dann lieber wieder nach Hause fahren und drei Tage später sein Angebot wiederholen.
Anschliessend an einen erfolgreichen Kauf liest man sich in der vorhandenen Simson-Literatur, im Schwalbennest oder hier im Wiki schlau, wendet sich an den nächsten Stammtisch und befragt bei Problemen das Forum.

Allzeit frohes Schrauben und einen knitterfreien Flug auf der "neuen" Simson!