Simson fahren

Aus Simson Wiki

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Dieses kleine Tutorial "Simson fahren" soll dem Anfänger dienen, welcher noch nie auf einem motorisierten Zweirad mit Schaltgetriebe gesessen hat. Jeder, der eine Simson fährt, hat irgendwann mal, irgendeine Art von Führerschein gemacht. Der wohl kleinste brauchbare Führerschein, den man derzeit machen kann ist der der Klasse M. Diese Führerscheinklasse ist auch eingeschlossen in den größeren Kradklassen sowie in allen Führerscheinklassen die das Fahren auf 4 Rädern gestatten. Wer ausschließlich Klasse M bestritten hat, hat dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einem modernen Roller mit Variomatikgetriebe getan. Folglich weiß nicht jeder M-Fahrer, wie man ein Fahrzeug mit Kupplung und Schaltung bedient. Dies ist einer der Punkte, der hier betrachtet werden soll. Stolze Besitzer der Klasse B werden über den Umgang mit Kupplung usw. Bescheid wissen, dennoch gibt es beim Zweirad einige Dinge zu beachten.

Das Starten des Fahrzeugs

Fast alle Simson-Fahrzeuge, egal ob Hand-, Fuß- oder Fliehkraftschaltung werden mittels eines Kickstarters gestartet. Tritt man diesen mit viel Schwung nach unten passiert erst einmal-nichts. Warum? Zunächst einmal muss der Zündschlüssel in den Zündlichtschalter (besser bekannt als Zündschloss) gesteckt werden. Auf Position 0 passiert noch gar nichts. Position 1 bedeutet Zündung an, Schwalbe kann gestartet werden. Position 2 bedeutet genau das gleiche, aber mit Licht. Auf Position 3 ist unser Schwälbchen wieder aus, also Zündung aus, Parklicht an.

Zum Starten dreht man nun den Schlüssel auf Position 1. Warum nicht auf Position 2? Auf Position zwei muss neben dem Zündfunken noch weitere Energie an den Scheinwerfer gegeben werden. Die Folge kann sein, dass die Schwalbe erst nach mehrmaligem Kicken anspringt. Kann sein, muss aber nicht. Nun muss je nach Temperatur zum Starten der Startvergaser gezogen werden. Seine Aufgabe st eine Gemischanreicherung, damit die Schwalbe besser anspringt. Der Startvergaser befindet sich unter dem Gasgriff, ein kleiner schwarzer Hebel, der bis auf Anschlag mit dem Daumen nach rechts gezogen wird. Nach Betätigung des Benzinhahnes von Stellung „geschlossen“ (Links) um 90° auf Stellung „offen“ (Mitte) wird mit angenessenem Schwung der Kickstarter heruntergetreten. Im Idealfall ist die Schwalbe nach dem ersten Kick an. Wenn nicht, wird noch zweimal mit Kickstarter ein Startversuch unternommen. Springt die Schwalbe immer noch nicht an muss der Startvergaser geschlossen (Hebel loslassen) und ein weiteres Mal gekickt werden. Jetzt müsste eine allgemein funktionstüchtige Schwalbe anspringen. Wenn nicht müssen die Benzinversorgung und die Zündung kontrolliert werden. Nach langer Standzeit kann es auch normal sein, dass mehrere Kickversuche unternommen werden müssen. Wenn die Schwalbe dann läuft muss je nach Außentemperatur der Starvergaser noch ein wenig geöffnet bleiben. Eine klare Regel gibt es hier nicht, aber die Erfahrung besagt, dass Minusgrade durchaus eine Fahrstrecke von 200-300m mit Startvergaser nötig machen. Je nach Gefühl muss der Startvergaser spätestens dann geschlossen werden, wenn durch Überfettung der Motor abzusaufen droht. Sollte die Schwalbe gar nicht zu starten sein, beispielsweise durch einen defekten Kickstarter, kann man die sie auch durch Anschieben starten.

Das Anfahren

Anfahren in der Ebene

Zum Anfahren setzt man sich auf das (laufende) Fahrzeug und zieht die Kupplung. Beide Beine sind hierbei auf dem Boden. Anschließend wird mit der Fußspitze die Schaltwippe bis auf Anschlag nach unten gedrückt. Bei der handgeschalteten Schwalbe wird der Schaltdrehgriff bis auf Anschlag nach unten gedreht. Wenn die Schwalbe dabei ein wenig zuckt ist das ganz normal. Unter leichtem Gas geben (der Anfänger sollte den Gasgriff sehr sensibel bedienen) wird die Kupplung langsam losgelassen. Irgendwann wird ein Punkt erreicht, an dem die Schwalbe sich langsam in Bewegung setzt. Nun muss der Kupplungshebel besonders langsam losgelassen werden. Durch Gas geben und weiteres Loslassen der Kupplung wird die Schwalbe beschleunigt, bis nach weiteren Schaltvorgängen die Endgeschwindigkeit erreicht wird. Bei einem Fahrzeug mit halbautomatischer Kupplung (z.B. KR 51/1 S) gestaltet sich der Anfahrvorgang etwas anders, aber mehr als einfach. Ein sauber eingestelltes Standgas ist jedoch eine Grundvoraussetzung. Einfach draufsetzen, Schaltwippe herrunterdrücken und Gas geben. Die Fliehkraftkupplung kuppelt beim Gas geben von selber ein.

Anfahren am Berg

Etwas schwieriger gestaltet sich das Anfahren am Berg. Grundsätzlich wird genauso angefahren wie in der Ebene. Allerdings ist die Kraft, die die Schwalbe aufbringen muss, bergauf viel größer. Das heißt: Es muss mehr Gas gegeben werden und die Kupplung muss länger schleifen und zwar solange bis die Schwalbe eine Geschwindigkeit und Drehzahl erreicht hat, die die Schwerkraft sicher überwinden kann. Damit man beim Anfahren nicht versehentlich rückwärts rollt muss selbst verständlich die Bremse gezogen werden. Das Spiel zwischen Gas geben, Kupplung bedienen und Bremse dosieren ist das, was das Anfahren am Berg so kompliziert macht. Sinnvollerweise zieht die Vorderbremse und gibt Gas. Währenddessen lässt man die Kupplung kommen und sobald die Schwalbe sich merklich an den vorderen Stoßdämpfern aufschiebt, kann man die Bremse gefühlvoll loslassen. Aber Vorsicht! Hier ist Koordination zwischen linker und rechter Hand gefragt.

Anfahren bergab

Etwas einfacheres gibt es nicht. Je nach Gefälle kann man sogar im zweiten Gang anfahren, allerdings muss auch hier ggf. durch den Einsatz der Bremse ein "Frühstart" unterbunden werden.

Anfahren auf Kies, Schnee und Eis

Beim Anfahren auf losen oder rutschigen Untergründen ist äußerste Vorsicht geboten. Durch den Hinterradantrieb kann bei durchdrehendem Reifen leicht das Fahrzeugheck ausbrechen. Bei Schnee und Eis sollte die Schwalbe sowieso zuhause bleiben, ein Sturz bei Glatteis ist fast unvermeidlich.

Das Bremsen

Bremsen in der Ebene

Hier gibt es nicht viel zu sagen. Die Simson-Kleinkrafträder sind mit zwei Bremsen ausgestattet. Die bereits erwähnte, über den Bremshebel am der rechten Lenkerseite bedienbare Vorderradbremse, sowie die Hinterradbremse, welche über das Bremspedal bedient wird. Bei einer normalen Bremsung benutzt man beide Bremsen etwa gleichstark und etwa so, dass man zielgenau auf das Hindernis heranbremst ohne noch einmal Gas geben zu müssen. Das Blockieren des Hinterrades sollte vermieden werden, das Blockieren der Vorderradbremse ist bei serienmäßigen Fahrzeugen fast unmöglich. Bei sinkender Geschwindigkeit werden nach und nach die Gänge nach unten geschaltet. Lässt man die Kupplung zwischendurch los wird die Schwalbe zusätzlich noch über den Motor gebremst. Am Hindernis (z.B. einer Ampel) angekommen, schaltet man in den Leerlauf (und lässt den Kupplungshebel los.

Bremsen bergab

Hier muss der gesamte Bremsvorgang stärker, aber gefühlvoller ausgeführt werden, da die Schwerkraft ein Abbremsen des Fahrzeugs erschwert und sich der Bremsweg verlängert.

Bremsen auf Kies, Schnee und Eis

Das ist gerade auf Schnee und Eis ein besonders gefährliches Unterfangen. Die Räder neigen sehr schnell zum Blockieren und können wegrutschen. Besonders vorsichtig muss die Vorderradbremse dosiert werden, da ihr Blockieren ein geradeausrutschen und höchstwahrscheinlich einen Sturz zur Folge hat. Sollte eine der beiden Bremsen blockieren, muss die Bremse sofort losgelassen werden, damit die Schwalbe lenkbar bleibt. Ein Blockieren der Hinterradbremse hat gerade in Kurven ein seitliches Wegrutschen des Fahrzeuges zur Folge. In jedem Fall ist aber auf rutschiger Fahrbahn die Benutzung der Hinterradbremse der sicherere Weg. Vorausschauend fahren ist dann angesagt, da der Bremsweg sehr lang werden kann.

Gefahrenbremsung (Vollbremsung)

Eine Gefahrenbremsung bedeutet volle Konzentration, da alles schnell gehen muss. Taucht ein Hindernis auf, muss sofort mit größtmöglicher Verzögerung gebremst werden. Größtmöglich heißt nicht „so schnell wie möglich“, sondern: „so schnell wie möglich bei Beachtung der eigenen Sicherheit“. Bremst man so schnell wie möglich mit kleinstmöglichem Anhalteweg, liegt man wahrscheinlich bald auf der Straße. Die Vorderbremse kann guten Gewissens auf trockener Straße voll belastet werden. Die Hinterradbremse sollte nur so stark belastet werden, bis sie blockiert. Dann sofort kurznachlassen und wieder bremsen. Das ist auch die Funktionsweise des ABS. Dabei ist es wichtig den Lenker festzuhalten und keine ruckartigen Ausweichversuche bei gezogener Bremse zu machen. Sollte ein Ausweichen unvermeidbar sein, müssen beide Bremsen vollständig gelöst werden. Erst wenn man wieder eine gerade Bahn zum Bremsen erreicht hat, kann man dies auch tun. Bei Nässe und Glätte ist besonders die Dosierung der Vorderradbremse ein wichtiger Punkt. In einer Extremsituation kann es zu einem krampfhaften Zerren an der Bremse kommen, wodurch das Rad unter Umständen blockiert. Solche Situationen kann und sollte man auf einem abgesperrten Gelände üben, um das Fahrzeug im Ernstfall sicher beherrschen zu können.

Die erste Fahrt

Wenn man alle wichtigen Grundvorrausetzungen beherrscht um eine Simson in Bewegung zu setzen und wenn man in der Lage ist zu bremsen, dann kann man sich mit gutem Gewissen auf die Bahn begeben. Empfehlenswert für Ausfahrten ist sonniges trockenes Wetter. Handschuhe sollten bei längeren Fahrten unter 15°C Pflicht sein, da die Zugluft durchaus zu tauben Händen führen kann.

Schalten

Nach dem Anfahren heißt es schalten. Immer im ersten Gang rumfahren macht kein Spaß und ist nicht gut für den Motor. Wenn wir im ersten Gang sind (Erinnerung: durch Drücken der Schaltwippe nach unten mittels Fußspitze) beschleunigt man die Schwalbe auf 15 km/h. Je nach Fahrstil kann das früher oder später passieren. Dann zieht man die Kupplung und bewegt die Schaltwippe in die andere Richtung. Entweder (so ist es bei Motorrädern üblich), durch ziehen der Schaltwippe mit der Fußspitze nach oben oder durch heruntertreten der Schaltwippe am hinteren Ende mit der Ferse. Das hat beides den gleichen Effekt. Anschließend wird wieder eingekuppelt. Das muss nicht ganz so gefühlvoll passieren wie beim Anfahren, aber die Kupplung schnipsen zu lassen ist nie eine Option. Genauso verfährt man mit den anderen Gängen. Beim Runterschalten passiert alles genau andersrum. Kupplung ziehen, Schaltwippe runterdrücken, einkuppeln. Wenn man dann vom zweiten in den ersten Gang schalten möchte sollte man das erst tun, wenn die Schwalbe schon sehr langsam ist. Der erste Gang ist nämlich sehr kurz übersetzt und ein gewaltsames Einlegen des ersten Ganges würde eine sehr hohe Belastung für alle Motor- und Getriebeteile bedeuten. Rollt man an eine Kreuzung heran, kann man dies auch im zweiten Gang tun und erst wenn man steht den Leerlauf einschalten. Zwischen jedem Gang befindet sich ein Leerlauf. Der zwischen dem ersten und dem zweiten Gang ist besonders leicht zu finden. Einfach vom zweiten Gang die Schaltwippe nur halb herunterdrücken und der Leerlauf ist drin. Gerade zwischen dem dritten und vierten Gang ist der Leerlauf nur mit viel Gefühl zu finden, aber es ist eine Wohltat bei 65 km/h den Gang rauszunehmen und mit Standgas rollen zu lassen. Bei der Schwalbe mit Handschaltung ist das alles so ähnlich. Nur werden die Gänge mit dem Schaltdrehgriff an der linken Lenkerseite geschaltet. Auf Anschlag nach unten bedeutet: erster Gang. Mitte ist zweiter Gang. Das finden des Zweiten Ganges erfordert etwas Übung und auf Anschlag nach oben bedeutet, dass der Dritte Gang drin ist. Irgendwo dazwischen liegen dann auch die entsprechenden Leerläufe. Zum Allgemeinen Fahren gehört natürlich auch das Blinken. Geblinkt wird mit den beiden Lenkerendblinkern, welche über den rechten Kippschalter bedient werden. Nach oben=rechts, nach unten=links. Die Schwalbe verfügt über keine Warnblinkanlage.

Kurvenfahrten

Kurven fahren macht auf einem Zweirad besonders viel Spaß. Jedoch ist es wichtig, dass man sich gerade was die Geschwindigkeit anbelangt nicht überschätzt und den Zustand seiner Reifen ehrlich einschätzt. Beim Motorradfahren wird das Fahren einer Kurve eigentlich gar nicht über eine Drehung des Lenkers sondern über eine Neigung des Fahrzeugs erreicht. Das ist dann eigentlich beim Fahren selbsterklärend. Wichtig ist, dass man nicht zu schnell in Kurven fährt. Denn größere Kurvengeschwindigkeit bedeutet größeren Neigungswinkel und höhere Wegrutschgefahr. Ein neuer Reifen sollte hohe Geschwindigkeiten auf engen Kurven problemlos meistern, aber ein alter, harter, poröser Reifen bietet gerade bei minimaler Feuchtigkeit viel zu wenig Grip. Bei Linkskurven muss darauf geachtet werden, dass man nicht mit dem Oberkörper in die kurveninnere Spur ragt, was bei Gegenverkehr fatal enden kann. Ein Zweirad mit großem Neigungswinkel kann nämlich eine erstaunliche Breite ausnutzen.

Fahren bei Nacht

Fahren mit Licht ist bei Motorrädern aller Art tagsüber Pflicht. Nachts ist es jedoch nochmal besonders wichtig, da die schmale Vorderansicht eines Zweirades schnell übersehen werden kann. Die vergleichsweise schwachen Scheinwerfer der Simson-Fahrzeuge bringen hier gleich zwei Nachteile mit sich. Neben der Tatsache, dass man selbst mögliche Hindernisse wie z.B. Wild erst spät erkennt, ist auch die Erkennbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer nicht immer gegeben Daher ist es wichtig, sich seiner Situation ständig bewusst zu sein und entsprechende Platzreserven für eventuelle Ausweichmanöver einzuplanen. Auch eine Warnweste in Leuchtfarbe ist zu empfehlen, um besser wahrgenommen zu werden.

Fahren mit Sozius

Das Fahren mit Sozius bedeutet doppelte Verantwortung für den Fahrer. Vor Fahrtbeginn muss dem Mitfahrer erklärt werden, wie er sich zu verhalten hat. Er darf auf keinen Fall in die Steuerung der Schwalbe durch Neigung eingreifen. Er muss sich des Weiteren am Fahrer festhalten. Ist man erst einmal auf der Bahn, wird man merken, dass das Fahrzeug sowohl für das Beschleunigen, als auch für das Bremsen für alles etwas länger braucht. Das sollte man ständig bedenken und bei seiner Fahrweise berücksichtigen. Beim Anfahren muss, ähnlich wie beim Anfahren am Berg, etwas mehr Gas gegeben werden und die Kupplung muss etwas länger schleifen um den Drehzahlkeller zu überwinden.

Lob und Anekennung für die ursprüngliche Version dieses Tutorials gehen an den Nestuser EA_SchwalbeAlbi.